1^>g Lerujahre eines Theologe»
kräftige deutsche Wirtschaftsleben natürlich durch ein zwanzigjähriges Prolet tivnssystem gebracht lverdeu müßte, unfehlbare Rezepte in wenig Worten zn geben wagen? Aber wenn wir knrz den Eindruck, den Nur von der Lage der Landwirtschaft gegenüber den Handelsverträgen in den letzten Jahren gewonnen haben, ausdrücken sollen, so sagen wir eben: Los davou, sobald als möglich!
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Lernjahre eines Theologen
Erlebnisse und Beobachtinigen
s ist ein Zeichen der großen Zerklüftung in unserm Volksleben, daß sich die einzelneu Berufskreise in ihrem innersten Streben kanm uoch versteh». Innere Einheit der Kultur ist das Zeichen für die Gesundheit des geistigen. Lebens in einem Volke, Vor hundert Jahren war diese Einheit annähernd erreicht. Heilte ist unser Volk mehr als je iu besondre Berufsklassen nnd Interessengemeinschaften zersplittert. Es wäre oberflächlich, weun wir dabei nnr an die große Kluft denken wollten, die Besitzende nnd Besitzlose scheidet. Auch Handwerker und Fabrikarbeiter siud innerlich von eiuauder getrennt. Ebenso haben die Industriellen und die Kaufleute wenig mehr mit den Gelehrten zu thnn, sodaß die „Hamburger Nachrichteil" die Gelehrten für die Drohnen im Organismus des Staats erkläreil konuteu. Auch innerhalb der Universität stehn sich die vier Fakultäten oft fremd, bisweilen feindlich gegenüber. Die Philosophie, die etwa bis gegen die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts als das verbindende Band der Einzelwissenschaften galt und des Interesses aller denkenden Männer sicher war, ist ihres stolzen Herrschersitzes entthront; nnd weder Politik noch Sozialwissenschaft noch Litteratur nnd Kunst haben den verwaisten Thron einzunehmen vermocht.
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Kein Wunder, daß sich für das innere Ringen, das heute fast jeder Theologe durchzumachen hat, wenig Verständnis findet. Ja gewöhnlich ist bei außerhalb stehenden Leuten keine Kenntnis davon vorhanden. Und doch sind diese schweren Geisteskämpfe von so allgemeiner Bedentnng, daß selbst ein Mann, der der Theologie entschlossen den Rücken gekehrt hat, der berühmte Ästhetiker Fr. Bischer,*) im Rückblick auf jeue Zeit von sich sagen kaun: „Ich habe durch das Studium der Theologie hinter die Kulissen, ich habe der Kirche und dem Dogma in die Karten gesehen; dies ist ein Vorteil, der durch keine
») Alteö und Neues, Z. Hcst, Stuttgart, 1882, Seite 268.