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Die Königin der Nacht
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Die Königin der Nacht

as Märchen bringt die Verlorne Krone dem unerkannten Königs- kind in Höhlen, im Waldesdunkel, in düstern Kohlerhütten zurück, und in ähnlichen dämmerigen Umgebungen findet der in süßer Hoffnnng die Welt durchfragende Prinz die Prinzessin, die seiner harrt wie ein Veilchen im Gebüsch, und wenn sie hinaustreten, wissen sie nicht, ob ihr Glück sie mehr blendet oder der Lichtstrom des hellen Tags der wirklichen Welt. Auch ich sitze manchmal in einem lichtarmen und düm- mernngsreichen braunen Kümmerlein, von Mürchendnft nmweht, in Träume versnuken. Es ist aber ein gastlicher, ob seiner gemütlichenUmwelt" berühmter Raum: die Trinkkemenate des .... Hofs in einer Stadt Mitteldeutschlands. Nur handelt es sich für mich nicht um Märchen, die mich darin besuchen; von denen muß ich leider mit Nndolf Vanmbnch sagen:

Also wars in alten Zeiten, Heute kommt das nicht mehr vor!

Vielmehr trage ich selbst die Märchcngednnken hinein und suche sie dort mir zu deuten und zu erklären. Denn mir ist die ganze Schöpfung ein Niesen- märchen, und jede Schuppe von einem Schmetterlingsflügel ein tiefes Ge­heimnis. Deshalb erlebe ich jeden Tag merk- nnd denkwürdige Geschichten, und über diese Rätsel der Wirklichkeit sinne ich dann in dämmernder Erholung in diesen vier dunkelgetüfelten Knbikmetern, deren zwei weißverhängte Fensterchen auf einen Gang gehn, der einen andern, im rechten Winkel auf ihn stoßenden fragen muß, wie es draußen aussieht, wenu er vom Wetter und von der Gasse etwas wissen will. Ein Luftloch, das man glücklicherweise schließen kann, durchbricht die braune Rückwand nach einem andern Dämmcrraum, aus dein die Stimmen gedämpfter Unterhaltungen und der zinnerne Wohlklang zu­geklappter Deckelkrüge herübcrdriugt. Meist sitzen einsame Zecher darin, uud man muß ihr Idiom kennen, um mit ihnen Zwiesprache halten zu können. Durch lange Übnng verstehe ich ein bischen davon; das langsame Offnen des Deckels, dem ein stiller Blick auf den rahmigen Schaum folgt, dann ein Schluck, und ein sachtes Znklnppen verraten mir den Gast, der gute Stimmung, etwas wie Weihe, mitgebracht hat. Wenn ich das höre, fühle ich mich von gleich­gestimmter Seele angehaucht und antworte, indem ich mein eignes Behagen "och vertiefe, hoffend, es werde durch Lehne und Wand hinüberwirken. Disso­nanzen von heftig zugeklappten Deckeln, die wie Ausrufe des Ärgers klingen, oder von unmutig weggerückten Krügen, die an Seufzer erinnern, nehme ich