Aus Sizilien
von Otto Uaemmel
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^. Palermo
ier Jahre früher hatte ich so manchen Abend in Neapel den Dampfer nach Palermo abfahren sehen und mir mit einer gewissen Sehnsucht vorgestellt, daß ich, wenn ich nur wollte, zwölf Stunden später auf sizilianischem Boden stehn könne. Diesesmal hatte ich von vornherein den Plan, dahin zu gehn, denn ich dachte an Goethes Wort: „Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele, hier ist erst der Schlüssel zu allem," und an V. Hehns zustimmende Bemerkung: „Wer in Neapel und Capri umkehrt, der läßt das Werk seiner Reise unvollendet." Gleichwohl empfand ich eine gewisse Scheu vor der Ausführung. Zunächst mußte ich allein dahin gehn, sodann ist die Entfernung selbst von Neapel noch recht groß, bis Palermo etwa drei Breitengrade, gegen 330 Kilometer, bis Syrakus, meinem südlichsten Ziele, vier Breitengrade, 440 Kilometer, die kleine Hälfte der Entfernung zwischen Neapel und der Heimat, denn Sizilien liegt unter derselben Breite wie Mittelgriechenland und der Peloponnes, Palermo entspricht in seiner Lage ungefähr Athen, Syrakus etwa Sparta. Von Syrakus dampft man in fünf Stunden nach Malta hinüber, und von Marsala sind es bis zum Kap Bon, der äußersten Spitze Nordafrikas, nur 150 Kilometer. Diese geographische Stellung Siziliens zwischen Europa und Afrika, zwischen dem östlichen und dem westlichen Becken des Mittelmeers hat auch die ganze Geschichte der großen Insel bestimmt; sie ist ganz oder teilweise zweimal von Griechenland, zweimal von Afrika, zweimal von Spanien aus in Besitz genommen worden und hat mit Italien jahrhundertelang politisch gar nicht zusammengehangen, bis sie endlich vor vierzig Jahren ein einfaches Glied des Königreichs Italien wurde. Innerlich ist sie ihm aber immer halbfremd geblieben. Ich hatte deshalb das Gefühl, in ein fremdes Land zu gehn, das von dem, was mir in Italien bekannt und vertraut geworden war, sehr verschieden sei.
Endlich aber waren die Zweifel überwunden, das Billet für die ganze Hin- und Rückfahrt in der Allerweltsagentur voll Cook gelöst, der Tag der Abreise bestimmt, und am 6. November gegen sieben Uhr abends, also schon bei völliger Dunkelheit, fuhr ich zum Quai der Jmmacolatella. Dort lag der „Marco Polo" dicht am Bollwerk, ein großer, schöner, schneller Dampfer der