Geschichtsphilosoxhische Gedanken 65
ihres Amtes walten. Verurteilungen in landläufigen, uninteressanten Fällen bleiben am besten verschwiegen oder werden nur mit einer kurzen Erwähnung abgethan. Schwere Fälle aber, besonders dreiste Diebstähle, Morde, Kuppelprozesse sollten nur mit gebührendem Ernste und mit entsprechender Tendenz behandelt werden, wie denn jede humoristische Behandlung gerichtlicher Vorgänge, etwa nach Art der Berliner „schnoddrigen" Gcrichtsszenen als in das Gebiet des groben Unfuges gehörend, verpönt werden sollte.*) Im allgemeinen wird die Entscheidung der Frage, was mitzuteilen sei oder nicht, eine Frage des leider wenig verbreiteten Taktgefühles sein und bleiben müsseu, so lange nicht die bei dieser Frage beteiligten Behörden Schritte thun, sich eingehend mit einem Gebiete des öffentlichen Lebens zu beschäftigen, ans welchem thatsächlich schwere Mißstände herrschen.
Geschichtsphilosophische Gedanken
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ene italienischen Kämpfe im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts, die wir im vorigen Abschnitt erwähnten, führten einen sehr wichtigen Wendepunkt der Weltgeschichte herbei. Mit des Luxemburgers Römerzuge scheiterte eudgiltig die Jdealpolitik der mittelalterlichen Kaiser, und im Widerstande dagegen erwachte der Gedanke einer italienischen Nationalpolitik.
Es ist sonderbar, daß sich in der reichen, das große Ereignis betreffenden Litteratur jener Tage außer dem bekannten Briefe Dantes an Heinrich kein Zeichen eines Verkehrs zwischen beiden findet; es wäre unnatürlich, wenn zwei hervorragende Männer, deren Gedankenkreise und Lebensziele so vollständig übereinstimmten, drei Jahre in geringer Entfernung von einander zugebracht hätten, ohne in lebhaften und innigen Gedankenaustausch mit einander zu treten. Es ist hier nicht der Ort, das politische System, das sich Dante in selbständiger Verwertung und Umgestaltung aristotelisch-scholastischer Gedanken aufgebaut hatte, ausführlich zu entwickeln, aber den Grundriß müssen wir wenigstens zeichnen. Man bekommt hie und da Erwägungen über die Frage
*) Auch in Leipzig wird leider oft über Gerichtsverhandlungen, die die betrnbendsteu Einblicke in das Leben und Treiben des armen niedern Volkes gewähren, in geradezu empörender Weise mit nichts als schlechten Witzen berichtet. D. Red.
Grenzboten III 1891 »