Kaiser Wilhelm II. und die Freisinnigen und Ultramontanen.
s gehört zu dem tragischen Geschick, das Kaiser Friedrich gehabt hat, daß ihn eine Partei für sich allein beanspruchte und ihm das Ansinnen stellte, ihr verderbliches Programm zu verwirklichen. Auch jetzt noch thut sie das. Die Volkszcitung, dieses neben der Freisinnigen Zeitung rücksichtsloseste Blatt des Fortschritts, schrieb noch jüngst in ihrem Artikel': „Zum Sedantage," indem sie die anredete, die nicht ins deutschfreisinnige Horn blasen: „Auch ihn laßt uns, den ihr geschmäht und verketzert habt"; sie ahnt gar nicht, daß es die größte Schmähung für einen Hohenzollern ist, ihn einer Partei zu überlassen, und nun vollends einer Partei, die unter Freiheit nie etwas andres verstanden hat, als Beschneidung der Rechte, die die Krone hat.
Wilhelm II. hat beim Beginn seiner Regierung einen Armeebefehl erlassen, kraftvoll und herzlich zugleich. Wie man dem Erlaß anmerkt, daß er aus tief bewegtem Herzen kam, so ist er auch ein Zeugnis von festem Willen. Der junge Kaiser verweist auf seinen Großvater, „das Bild des glorreichen und ehrwürdigen Kriegsherrn," auf seinen teuern Vater, auf die lange Reihe ruhmvoller Vorfahren, deren aller Herzen warm für die Armee geschlagen, und fährt dann fort: „So gehören wir zusammen, Ich und die Armee, so sind wir für einander geboren, und so wollen wir unauflöslich fest zusammenhalten, möge nach Gottes Willen Frieden oder Sturm sein." Gleicher Ernst und gleiche Jugcndkraft spricht aus dem an demselben Tage gegebenen Erlaß an die Marine: „Die Zeit ernster und wahrhafter Trauer stärkt und festigt den Sinn und die Herzen der Menschen, und so wollen Wir, das Bild Meines Großvaters und Grenzboten III, 1838. 73