Niels Lyhne.
Roman von I- P. Jacobsen. Aus dem Dänischen übersetzt von Mathilde Mann.
(Fortsetzung.)
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ennimore thciute mit ihrer Hand ein Loch in das Eis und trocknete das Wasser dann sorgfältig mit dem Taschentuche ab. Noch war draußen auf dem Fjrod niemand zu sehen. Dann sing sie an, in ihrem Glaskäfig auf und ab zu gehen. !Es standen keine andern Möbel draußen als ein Sofa aus gebogenem Holz, und das lag voll von welken Epheublättern, die von den Ranken oben an der Decke abgefallen waren. Jedesmal, wenn sie daran vorüberkam, raschelten die Blätter leise im Luftzug, und hin und wieder fand ihr Kleid auch ein welkes Blatt auf dem Boden, das es mit kratzendem Laut über die Dielen nach sich zog.
Auf und nieder ging sie, ihre traurige Wacht haltend, die Arme über die Brust gekreuzt, sich hart machend gegen die Kälte. Endlich kam er.
Mit einem Ruck riß sie die Thür auf und trat mit ihren dünnen Schuhen hinaus in den eisigen Schnee. Sie gönnte es sich, sie hätte barfuß zu diesem Stelldichein gehen können.
Niels hatte beim Anblick der schwarzen Gestalt, die sich gegen den hellen Schnee abhob, gestutzt, und näherte sich langsam mit zögernden, forschenden Bewegungen dem Lande.
Es war ihr, als verbrenne ihr diese schleichende Gestalt die Augen. Jede Bewegung, jeder Zug, den sie wiedererkannte, traf sie wie eine schamlose Verhöhnung, gleichsam, als wollte sie mit dem entwürdigenden Geheimnis prahlen. Sie zitterte vor Haß, ihr Herz schwoll von Verwünschungen, sie konnte ihren Sinn kaum beherrschen.
Grenzbotm III. 1388. 60