Beitrag 
Niels Lyhne : Roman : aus dem Dänischen übersetzt von Mathilde Mann :
(Fortsetzung.)
Seite
380
Einzelbild herunterladen
 

330

Kleinere Mitteilungen,

Vollkommen so meinte er es jedoch nicht. Der Mensch baut sich so oft Theorien, in denen er doch nicht wohnen will. Die Gedanken schweifen so oft weiter hinaus, als das Gefühl für Recht und Unrecht Lust hat, ihnen zu folgen. Aber dieser Gedanke bestand doch für ihn und nahm der stets er­forderlichen Lüge, Falschheit, Niedrigkeit und Gemeinheit viel von ihrem un­aufhaltsam zehrenden Gift.

Schließlich machte es sich aber doch fühlbar, es fraß zu viele von den feinen, zarten Nerven an, um nicht bald Schaden anzurichten und Schmerzen zu verursachen, und der Verlauf wurde dadurch sehr beschleunigt, daß Erik bald nach Neujahr glaubte, eine Idee bekommen zu haben, etwas mit einem grünen Gewände, erzählte er Niels, und mit einer drohenden Stellung. Er­innerte er sich wohl noch des Grüns in Salvator Rosas Jonas? Etwas in diesem Genre. (Fortsetzung folgt.)

Kleinere Mitteilungen.

Heinrich Seidel. Wir haben schon vor mehreren Jahren einmal auf die Schriften von Heinrich Seidel aufmerksam gemacht. Damals hatte Liebeskind in Leipzig das bis dahin in unscheinbaren Biindcheu erschienene an sich gebracht und begann es neben ganz neuem in der zierlichen Ausstattung, die er seinen Bücheru zu gebeu versteht, neu aufzulegen. Jetzt liegen allein von den Prosaschriften schon fünf Bände vor, zum Teil in wiederholter Auflage, und wie wir hören, werden die drei älteren dieser Bände (Jorinde uud andre Geschichten Geschichten und Skizzen aus der Heimat Vorstadtgeschichten) wiederum neu gedruckt werden und dann mit den beiden neu erschienenen (Neues von Leberecht Hühnchen und andern Sonderlingen Die goldene Zeit) und den Gedichtbänden eine einheitliche Ge­samtausgabe bilden, oder wohl den Beginn einer Gesamtausgabe; denn die neuesten Gaben Seidels lassen nicht darauf schließen, daß sein Born so bald ver­siegen werde.

Es ist sehr erfreulich, daß sich diese Sachen Bahn gebrochen habeu und eineu immer größern Leserkreis gewinnen. Man darf auch darin, daß so harmlose, frische und gesunde Poesie sich durch das greuliche Litteraturgestrüpp durchzuarbeiten ver­mag, welches alles zu überwuchern drohte, ein Zeichen erblicken, daß uns wieder einegoldene Zeit" herannaht. Eine Zeit ruhigerer und stetiger Entwicklung, der wir jetzt, Gott sei Dank, entgegenblicken, wird auch mit sich bringen, daß unser deutsches Gemüt wieder mehr Einkehr bei sich selber hält und sich von der un­gesunden Kost abwendet, mit der es sich vergiftet hat in einer Zeit des äußern und innern Kämpfens und Jagens, in der ein gepfefferter Genuß gesucht wurde, um über die Leere des Augenblicks hinwegzuhelfen. Die bösen Früchte des Naturalismus und Pessimismus können bei uns doch nur reifen uud genossen werden, wenn alles Ringen und Kämpfen nach cmßen geht, auf materielle Dinge und Erfolge. Sie werden dann immer vorhanden und marktfähig sein,