Das neue Ministerium in Paris. 529
werden soll, noch fester zu machen. Aber Aufregung ist noch etwas ganz andres als große Bewegung. In dieser gleichen wir einem Schiffe oder seinem Steuermann, der auch bei bewegtester See das Steuer noch fest hat und sicher zu richten vermag, in Aufregung aber einem Schiffe, das im Sturm seiu Steuer verloren hat und damit eigentlich auch den Steuermann. Und das soll ein Arbeitsmittel der großen Kunst sein, die uns wieder auf die großen Wege nach der Höhe führen soll? Wenn mir jemand mit Aufregung kommt, im Leben oder in der Kunst, so schließe ich mich zu, ich mag mir von keiner fremden Hand in mein Inneres greifen lassen, die mich in mir hin- und herschleudern will, wie ein steuerloses Schiff im Sturm, so gerne ich mich großer Bewegung offne, die mich erweitert, vertieft und erhöht, und ich begreife nicht, wie man anders denken kann.
Gewiß hat Richard Wagner von der Kunst groß und tief gedacht, wre wenige vor ihm, und ich bewundere manches große und tiefe Wort in seinen theoretischen Ausführungen unbedingt, wie auch manches in seinen Werken. Gerade für die deutsche Kunst hat er als begcisteter deutscher Mann ein Ziel ausgesteckt, das nicht höher sein kann, aber in der Ausführung hat er sich in einem Hauptpunkte doch wohl übel vergriffen, nicht zum Heile unsrer nervenkranken Zeit.
Das neue Ministerium in j)aris.
as neue französische Ministerium, an dessen Spitze Herr Nouvier steht, muß als Präsident Grcvys Kabinet bezeichnet werden. Es ist das Ergebnis eines Verfahrens, das seit dem Rücktritte Mae- Mahons in Paris nicht üblich gewesen ist, ja gegen die Grundsätze, zu denen sich dessen Nachfolger, das jetzige Staatsoberhaupt Frankreichs, bisher bekannt hatte, entschieden zu verstoßen schien. 1849 brachte Grevh in der konstituirenden Versammlung einen Antrag ein, nach welchem die Republik keinen exekutiven Chef, sondern ein Ministerium an der Spitze haben sollte, das, wenn es aufhörte, sich des Vertrauens der nationalen Gesetzgebung ZU erfreuen, vom Amte zurückzutreten und neuen Männern Platz zu machen hätte. Dieses Ameudemeut Grevh, der reinste Ausdruck des parlamentarischen Gedankens, nach welchem die Mehrheit der Volksvertretung den Staat regieren soll, ging nicht durch, wurde aber damals stark unterstützt und in der Folge, da seine Ablehnung die Wahl Ludwig Napoleons zum Präsidenten ermöglichte
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