Russische Skizzen.
von Vtto Kaemmel.
(Fortsetzung.)
o trifft das Auge überall in der weiten Stadt auf Erinnerungen an die beiden größten Gestalten der neueren russischen Geschichte. Peter I. und Katharina II. Der erstere war Russe von Geburt, aber Deutscher oder Holländer seiner Blldung „und Erziehung nach, und was er hier schuf im öden Sumpflande der Ncwamündung, das schuf er nach ausländischen Mustern und zum Teil mit ausländischen Kräften und benannte es mit Vorliebe deutsch (Petersburg, Peterhof. Kronstadt, Schlüsselbnrg); die zweite war Deutsche von Herkunft und Russin nur durch ihre Herrscherstellung, uud was sie ms Leben rief, trug das Gepräge der französischen Aufklärung. Aus dem russischen ^otks- tume ist weder das eine noch das andre erwachsen. Und doch sind beide Herrscher volkstümlich geworden; aber populärer als sie scheint die Erinnerung an den großen Franzosenkricg von 1812. Denn hier verteidigte sich das „heilige," das ..rechtgläubige" Nußland mit seiner ganzen massigen Wucht, dem düstern religiös-nationalen Fanatismus seiues Volkes gegen den Einbruch des ketzerischen Westens und bereitete ihm eine furchtbare Katastrophe. An diese Zeit erinnert vor allem die Kasansche Kathedrale mit ihren Denkmälern, die so massenhaft erscheinen wie die keiner andern Kriegsperiode, selbst nicht der Türkenkriege. Wenn heute das „gebildete" Rußland für Frankreich schwärmt in jener innern Verwandtschaft, die den russischen Nihilismus im weitesten Sinne des Wortes, d. h. die Abwesenheit jedes Glaubens an die Berechtigung des Bestehenden und jedes sittlichen Ideals, mit dem französischen Radikalismus verbindet, die russischen Massen wissen davon nichts. Überhaupt das russische Volkstum hat sich doch dieses Küstenstriches, der eigentlich jenseits seiner Grenzen