Beitrag 
Zukunftspoeten.
(Schluß.)
Seite
423
Einzelbild herunterladen
 

Zukunftspoeten.

(Schluß.)

eberblickcu wir nunmehr dasgeadelte Thun" bei dem Schöpfer des Dichters dieseraufgerüttelten Poesie." Da er leider nicht verbannt wurde, wie Aristides, Cvriolan und Heinrich Heine, sv verbannte er sich knrz entschlossen selbst und teilte sein trauriges Tonn zwischen Paris, Rom und München. Da er leider auf den Staat nicht schimpfen konnte, von dem er ja sogar eine Pension bezog, so schimpfte er um so ausgiebiger auf die Städte, auf die Gemeinden, welche sein Weltbeglückuugsstück höchst ruchlos ausgepfiffen hatten. Wen» man seinem geadelten" Schaffen glauben soll, so sind die Städte Norwegens, und be­sonders die kleinen Küstenstädte, in denen er dereinst dramaturgisch wirkte, der Inbegriff aller Ruchlosigkeit, Scheußlichkeit und Gemeinheit, die sich auf diesem daran stets sehr ergiebigen Erdenrund je zusammenfinden kann. Anständige Leute giebt es dort überhaupt nicht, sondern höchstens bornirte Tröpfe, die von einemakuten (so!) Nechtschasfenheitsfieber" geplagt sind (Gregers Werke" in dem SchauspielDie wilde Ente"). Ehen scheinen dort nur dazu da zu sein, um den Dramatikern höchst verwickelte verwandtschaftliche Rechenexcmpel an die Hand zu geben. Zu jedem rechten Haushalt gehört dort offenbar solch ein großes X, welches mit Vrnder, Schwester, Vater, Mutter bis hinanf zur Großmama (Gerd imBrand") in irgend welcher ahnungsvollen, oft dazu noch Platonischen" (Hedwig in derWilden Ente" zum Vater!) oder unplatonischen (Oswald und Regine in denGespenstern") Beziehung steht. Ihre Krankheiten Pflegen diese Leute stets von ihren Eltern zu erben, nur nicht zugleich die seelische» Verfassungen, die deren Vorbedingung sind. Rückenmarksschwindsucht (Dr. Rauk inNora"), Gehirnerweichung (Oswald iu denGespenstern"), fixe Ideen, Arbeitsscheu (Peer Gynt), um von andern Gebrechen und Übeln gar nicht zu reden, pflegen dort das Hausübel gerade der wenigen edeln und be­gabten Naturen zu sein. Es fehlt nur ein edler Erbtrnnkenbold in dieser Edelmannsgalerie, so reich sie im übrigen an Trunkenbolden ist. Das sind nun, wie man merkt, Einwirkungen des Naturalismus, und die stets berechtigte Satire gegen Krankheits- nnd Fäuluissymptome einer hohlen, gcwisfenlosen, fetten und übersättigten Bildungsgesellschaft bilden ihren realen Hintergrund. Aber wir werden noch des Nähern auszuführen haben, daß sie hier ganz im Dienste eines flachen, phrasenhaften Individualismus verwendet werden, daß sie nicht wie bei dem geistig höher stehenden und energischer durchgebildeten Zola