Beitrag 
Der Mißbrauch des Wortes Entwicklung.
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

319

ssxisns entwickelt. Limia lo^x wäre an dieser Stelle vielleicht eine passendere Benennung gewesen, um anzudeuten, daß heutzutage die Affeuähnlichst der Menschen noch keineswegs ausgestorben ist. Wenn man freilich bei diesen Ent­wicklungsreihen vergißt, daß im Worte Entwicklung der Begriff von Ursache und Wirkung steckt, und sich eine Form aus der andern entwickeln läßt, während doch jede Form nur die Wirkung des Inhaltes sein muß, welcher sie hervor­bringt, dann kommt man eben zu solchen phantastischen Spekulationen, durch welche heute die Naturwissenschaft nur gar zu gern Philosophie und Geistes­wissenschaften sich unterwerfen möchte. Die Berechtigung zum Entwürfe solcher Stammbäume für sämtliche Orgauismen wollen wir garnicht bestreikn, aber sie können nie etwas andres bedeuten, als ein Produkt unsrer Betrachtung der äußern Formen, niemals aber uns die Erkenntnis von dem wirklichen Kausalzusammenhang der Schöpfung und der Entstehung der Arten geben. Eine Lehre, welche diesen Unterschied mißachtet, verdient nicht mehr den Namen einer Wissenschaft, sondern höchstens den einer Schwärmerei in wissenschaftlichem Gewände. (Schluß folgt.)

Gegensätze in der Kultur des Mittelalters.

ie früher so beliebte Rede von der Nohheit des Mittelalters ist in Mißkredit gekommen. Literatur, Kunst und Philosophie des Mittclalters haben zusammengewirkt, um es wieder mehr zu Ehreu zu bringen. Was aber immer noch aufs höchste in Er­staunen setzt, ist der Umstand, daß die in jenen Jahrhunderten vorhandne Bildung einmal nur in wenigen Menschen diejenigen Früchte trägt, die wir von der Bildung erwarten, und daß sie in diesen selbst, noch vielmehr ln der Mehrheit ihrer Zeitgenossen, Gegensätze bestehen läßt, die sich nach unsern heutigen Begriffen unmöglich vertragen. Wir wollen das in einigen Beispielen veranschaulichen.

Sollen wir beiläufig einen allgemeineren Grund angeben von der Ver­schiedenheit, die jene Zeit von der spätern, der des siebzehnten Jahrhunderts und der Folgezeit, trennt, so können wir uns an bekannte psychologische und volkspsychvlogische Erscheinungen halten. Wie das Kind vor allem begierig ist, die Zahl seiner Wahrnehmungen zu vermehren und den Schatz seiner Erfahrungen zu bereichern, wie es liebt, diese seine Errungenschaften immer wieder auszu­kramen, in hübsche Formen zu bringen, aber sich völlig unbekümmert zeigt um