Iugenderinnerungen.
von Lrnst Willkomm. (Fortschung.) 9.
ein älterer Bruder verweilte bereits zwei Jahre auf dem Gymnasium. Er hatte bisher mit den beiden Söhnen einer befreundeten Familie, die ein schönes Halls am Marktplätze besaß, ein nach dem Hofranme hinaus gelegenes Zimme rgeteilt. Für mehr als drei Personen war leider nicht Raum in diesem Zimmer. Es mußte deshalb, da wir Brüder doch zusammenbleiben sollten, anderswo ein passendes Unterkommen für uns gesucht werden. Ein solches fand sich bei einem Universitcitsfrcunde des Vaters, dem Advokaten Seidemann, welcher ein eignes Haus allein mit seiner Familie in der Bautzener Gasse bewohnte. Ein Giebelzimmer nach vorn bot genügenden Raum für drei Personen, denn der Sohn des Hauses, einige Jahre älter als wir Brüder, sollte unser Stnben- kamerad, Mentor und Vorbild sein. Es war ein stiller, nugewöhnlich fleißiger junger Mensch, der jedem zum Muster dienen konnte. Er hatte sich bereits bis Oberprima hinaufgearbeitet und wollte nächste Ostern die Universität beziehen.
Am Sonntage nach Ostern 1822 schlug für mich die Abschiedsstunde aus dem Vaterhause. Ich verließ es, als eben die Sonne zur Rüste ging und goldiger Duft sich um die waldigen Höhen legte, auf deuen ich so oft glückliche Stunden verlebt hatte. Die Eltern gaben mir das Geleite bis auf die sogenannte Anhöhe, eine kleine Erhebung auf dem pfarrherrlichen Ackergelände, von der man das weit ausgedehnte Grenzgebirge bis an die fernen Ausläufer des Riesengebirges erblickte. Mir schwamm es vor den Augen, als ich bei