Der Briefwechsel zwischen Goethe und Carlyle.
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Und noch eins. „Wer das Bvrgen verteidigt — sagt Gildemeister —, nimmt deshalb keineswegs das leichtsinnige Schuldenmachen in Schutz. Die verwerflichen Anleihen, welche in wüster Jugendrohheit die Trägheit und Renvmmisterei aufgenommen haben, sind nicht auf gleiche Linie zu stellen mit der Benutzung fremden Kapitals, die dem gereiften Manne die volle Entfaltung seiner Kräfte erleichtert." Das ist ein bestechendes Bild: volle Kraftentfaltung durch Aufnahme von Darlehen. Aber das Gleichnis hinkt. Wenn es sich nicht um größere Errungenschaften für ein Volk handelt, als um die, welche uns von jenen Männern vorgeführt werden — wohlgemerkt: ich spreche immer von den Fremdwörtern, die wir für entbehrlich halten —, dann ist nicht von Kraftentfaltung die Rede, nicht, um das Bild weiter auszuführen, um Kapitale handelt es sich, sondern nm Pfennige; und nicht um Borgen — denn niemand denkt ans Heimzahlen —, sondern um eine Entnahme, die ein großer Kenner unsrer Sprache, Behaghel, in seinem Werke „Die deutsche Sprache" ein Bettelngehen bei andern Nationen nennt.
Ich bin am Schlüsse. Es ist möglich, daß in dem, was ich gegeben habe, einzelnes Unfertige, Schroffe, Irrige untergelaufen ist — es kann einer nicht mehr geben, und er kann es auch nicht anders geben, als er es hat. Aber es würde mich innig freuen, wenn ich ein Scherflcin hätte beitragen können zu der Überzeugung, daß der deutsche Sprachverein sich auf dem rechten Wege befindet.
Der Briefwechsel zwischen Goethe und Carlyle/)
von Lwald Flügel.
England und Deutschland werden nicht immer einander fremd bleiben, sondern wie zwei Schwestern, die lange getrennt waren — riiumlich und durch übles Gerede —, werden sie endlich in Liebe einander nahen und fühlen, daß sie eines Stammes sind.
Carlyle an Goethe, den 23. Mai 1830.
n einem noch heute schwer zugänglichen Winkel Schottlands liegt, meilenweit von jedem größern Orte, mitten in den Bergen, ein einsames Landhaus, dessen gälischer Name (nicht gerade sehr wohlklingend) Cmigenputtock lautet. Dort verbrachte Ende der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts Thomas Carlyle mit seiner jungen, schönen Frau sieben Jahre des reinsten, ungetrübtesten Glückes.
LorroLxoniIsnvg botwesn (ZoeÄw anä Larl^ls, oclitsä b/ LKa,rlos lAiot Fnrton. ^onäou, U-umull-m s,nä Lo., 1387.
Grenzvotm II. 1887. 11