Die Gegner des deutschen Sprachvereins/)
von Walter Gensel.
m Kampfe für eine als gut erkannte Sache darf man es bei seiner ersten, einseitigen Überzeugung nicht bewenden lassen. Sobald man wahrnimmt, daß Zweck und Ziel des Kampfes von nchtungswerter Seite Mißbilligung erfahren, ist man verpflichtet, Umschau und Einkehr zu halten, muß die Gründe der Gegner Prüfen und hat umzukehren, wenn mau erkennen sollte, daß man fehl oder zu weit gegangen ist.
Der deutsche Sprachverein besteht jetzt über Jahr und Tag. Er hat von vielen Seiten, aus allen Gauen des Vaterlandes, auch von jenseits des Meeres her lebhafte Zustimmung gefunden; seine besten nnd thätigsten Mitglieder wachsen ihm zu aus den Kreisen derer, welche in der Sprachwissenschaft Meister sind. Aber anderseits sind seine Bestrebungen auch auf Widersacher gestoßen, und zwar auf so zahlreiche und namhafte, daß es sich wohl lohnt, die Gegeugrüude einmal zusammenzustellen und an ihrer Hand unser Werk auf seine Berechtigung zu prüfen.
Es kann nicht zweifelhaft sein, daß ich, ein Manu der Akten, in vieler Hinsicht nicht der rechte Mann dazu bin. Indes ist die Frage, wie ich zeigen will, vorwiegend nicht eine sprachwissenschaftliche, sondern eine sprachwirtschaft- llche, überdies eine volkstümliche Frage nnd eine Frage des guten Geschmacks; kurz eine Frage, zu dereu Lösnug nur ein Durchschnittsverstand erforderlich ist und ein offenes Auge für die Dinge, die im Lande uud um uns her vorgehen.
Ich muß dem Gegenstande Grenzen ziehen.
Erstens. Alle Gegner halten uns vor: Was ereifert ihr euch gegen die Femdwörter? Die größere Sünde sind die Verstöße gegen die eigne Sprache. Ein übel gewähltes Fremdwort ist nur ein geschmackloser Putz; Undeutschheit aber in Syntax und Grammatik ist eine Gliederverrenknng, die den Körper entstellt. Hiergegen kämpft!
Dieser Vorwurf trifft wohl einzelne Übereifrige, doch nicht den Sprachverein. In K 1b unsers Vereinsgesetzes wird als ein Hauptzweck des Vereins hingestellt: die Pflege der Erhaltung und Wiederherstellung des echten Geistes und eigentümlichen Wesens unsrer Sprache. Dazu gehört natürlich vor allem
*) Vortrag, gehalten am 28. MNrz 1837 im Leipziger Zwcigvcrcin des Allgemeinen eutschen Sprachvereins. Der Verfasser ist Landgerichtsdircktor in Leipzig.