Notiz.
Das Pentagramm im Faust. Zur Erklärung des auf Fausts Thürschwellc befindlichen, dem Teufel den Ausgaug wehrenden Drudenfußes oder Pentagramms erinnern die Kvmmeutare, an die schwauenfüßigeu Druden der nordischen Mythologie und nn das Pentalpha der Pythaguräer. Die schützende nnd abwehrende Bedeutung dieses Zeichens wurde aber im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert auch noch aus einem dritten Grunde hergeleitet. Im zweiten Bande der RissoH-uies, lapsionsiu, (Leipzig, 1716) S. 573 ff. steht ein lateinisch geschriebener Aufsatz eines Dresduer Theologen, P. Chr. Hilscher, der über das mystische Dreieck, Viereck, Fünfeck und Sechseck handelt. Der Abschnitt über das Pentagon gedenkt nun zunächst auch des Pentalpha und des Drudeufußes, auch des Quineunx beim Aufstellen der Schlnchtreihen und beim Pflanze» der Bäume, erwähnt aber schließlich, daß das Pentagramm auch mit den füuf Wnuden Christi am Kreuze iu Znsammeu- haug gebracht worden sei, und die dein Aufsatze beigegebeue Kupfertafel zeigt wirklich in der Mitte als Hanptbild einen Christus mit ausgebreiteten Armeu und gespreizten Beinen, dessen fünf Wundmale dnrch ein Pentagramm mit einander in Verbindnug gesetzt sind. In den Aumerlnugeu, in denen sich der Verfasser auf allerhand ältere Qnellcn bernfl, führt er auch einige Stellen aus Kirchenliedern an, in dcncu die geheimnisvolle Kraft der fünf Wnudeu Christi bcsuugen wird, wie: Die heiligen füuff Wunden dein / laß mir rechte Felßlöcher seyn, u. a.
Es würde nun sehr gewagt sein, anzunehmen, daß Goethe von diesem Bilde in den Uisovllkmös, l-ipsionsii» gewußt habe. Aber die Beziehung des Pentagramms auf den Gekreuzigten kann ihm recht gut auch aus andrer Quelle bekannt gewesen sein. Jedenfalls ist es merkwürdig, daß dieses Zeichen, welches im Faust zur Bnnnung des Teufels dient, mit den, sonst znr Abwehr des Böseu verwendeten Kreuz oder Crucifix nach dem angeführten Glauben beinahe identisch ist.
Literatur.
SergiuS Pcini». Romni, von Georges Ohnet. Auwrisirte Übersetzung. Basel,
M. Beruheim.
Die neueste französische Romauliteratur scheint sich im allgemeinen in zwei Gruppen zu teilen, von denen die eine dem Panier Dandets, die andre demjenigen Zolas folgt. Naturalismus mit Mvderatiou und Naturalismus «s,n8 pura,8s, beidemal mit der stillschweigeudeu Voraussetzung, daß die betreffende Natur nur in Paris zu suchen und zu finden sei, wechseln mit einander ab. Auch die lisvus c>W clsux monclos, welche, solange es irgend anging, Romane andrer Richtung begünstigte, beginnt neuerdings ihre Spalten den Produkte» der reiueu literarischen Photographie zu öffnen und setzt dabei selbst jenen freilich nur konveutioncllen Anstand außer Auge», den sie sonst bewahrte. Nach dem vorliegenden, von der französischeil Akademie preisgekrönten Roman, „Sergins Panin" von Georges Ohnet, ist nunmehr auch das ältchrwüroige, „Institut" zur Sanktion der besondern Lebensauffassung und Lebeusdarstelluug verschritten, die der Romandichtung Frankreichs einen gemeinschaftlichen Typns aufdrückt.
Wir sind weit davon entfernt, die pharisäischen Mienen zn billigen, mit denen ein gewisser Teil der deutsche» Kritik aus mißverstandenem Nationalgefühl dem französischen Roman uud Drama der Gegenwart gegenübersteht. Wir wissen recht wohl, daß die stärksten innern Mängel, die wir an der schöne« Literatur unsrer westlichen Nachbarn wahrnehmen, in der entsprechenden vaterländischen Li-