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Bunsen hatte das seltene Glück, zweien Königen nahe zu stehen und durch sie bedeutenden Einfluß zu üben, aber wir sehen an ihm zugleich, wie mißlich es ist, wenn ein Staatsmann seine Stellung ausschließlich auf das persönliche Verhältniß zum Fürsten baut. Bunsen mußte selbst bekennen (II, 142), daß er nie Minister in Preußen werden könne, weil er keine Stellung im Lande habe. So litt er zwei Mal Schiffbruch, als die Fürsten, die ihn bisher gehalten, ihn fallen ließen, 1839 Friedrich Wilhelm III. in Rom, 1854 Friedrich Wilhelm IV. in London. Er wird bei diesen Gelegenheiten erkannt haben, daß persönliches Vertrauen des Souveräns, wie unschätzbar es für den Staatsmann ist, doch nie den festen Halt ersetzen kann, den eine sachlich begründete Stellung giebt.
So tritt uns Bunsen in dem vorliegenden Buche entgegen und das Gesammtbild wird wohl auch für die Zukunft wesentlich dasselbe bleiben. Aber erst die Veröffentlichung seines Briefwechsels, namentlich mit Friedrich Wilhelm IV., wird seine Stellung zu den politischen Tagessragen klar machen.
Aus Schleswig ^Holstein.
18. Sept.
„Das Thun interessirt, das Gethane nicht." Und so wird die in den preußisch-deutschen Staat endgiltig eingereihte Provinz Schleswig-Holstein mit ihrem ferneren Wohl und Wehe kaum noch etwas von der erregten Theilnahme unter dem deutschen Volke wiederfinden, die durch so lange Jahre die Geschicke der Herzogthümer überall begleitete, als um die Fragen Deutsch oder Dänisch? Provinz oder Kleinstaat? noch gerungen wurde. Der Mehrzahl der Deutschen hat sich ersichtlich sogar nach all' dem sympathischen Interesse der Vergangenheit ein entschiedener Ueberdruß bemächtigt, von dem gewonnenen Bruderstamme Weiteres zu hören, seit er zwischen die schwarzweißen Grenzpfähle gerathen und in normale königl. preußische Unterthanenschaft umgewandelt ist. Die politische Apathie ist ja heute endemisch geworden nnter uns. Und doch, wem die thatsächlichen Lösungen des Jahres 1866 den Sinn nicht stumpf gemacht haben für das innere Getriebe des politischen Körpers, Pulsschlag und Nerv des deutschen Volksthums, wer nur ein wenig in die Zeiten hinauszuschauen liebt, findet in dem heutigen Schleswig- Holstein noch immer des politisch Interessanten die Fülle. Es gibt in der That kaum ein zweites Stück deutscher Erde, auf dessen Oberfläche sich der