Norddeutsche Kriegshäfen.
7. Danzig.
Von allen übrigen Punkten der Ostsee, die für unsere Marine von Interesse sind, führen wir nach der Schilderung des maritimen Mittelpunktes Kiel unseren Lesern nur noch denjenigen vor, an welchem sich bisher die Preußische Marine entwickelt hat und der als solcher ein bedeutenderes historisches Interesse besitzt, wie er auch künftig stets ein Constructionshafen für Holzkriegsschiffe bis zur Größe der gedeckten Corvetten bleiben wird: es ist Danzig mit der bisher einzigen königlichen Werft.
Das Delta der Weichsel, die weite, flache danziger Niederung, wird auf seiner Westseite durch ein Plateau mit steilem Abfall nach dem Strome zu begrenzt: und an dem Fuß dieser Höhen, rechts und links von einem von Westen einströmenden kleinen Niederungsflusse, der Mottlau, also zwischen dem eigentlichen Stromlauf der Weichsel und ihren Uferhöhen, liegt die alte Seestadt Gdansk oder Danzig, wenig über eine Meile von der See entfernt, und zugleich nahe der Mündung der Mottlau in den Westarm des großen Weichselstroms. In Hinsicht landschaftlicher Schönheit ist diese Lage ganz prachtvoll, so schön wie bei keiner anderen Seestadt von ganz Deutschland. Im Osten das weite grüne Wiesen - und Bruchland der Niederung (plattdeutsch Neerung), im Süden ein Meer von üppigen Gärten, aus deren Laubkronen die Gebäude kaum herauszuschauen vermögen, im Westen der schroff und steil abfallende Rand der Höhen mit den Befestigungen des Hagelsbergs, des Bischofsbergs und der Jesuiterhöhe, deren dräuende Schießscharten und scharf gerissene Konturen aus den dichten Baumkronen der Glacis malerisch hervorblicken und dominirend auf das Häusermeer herniederschauen, noch viel stolzer und unmittelbarer als etwa bei Namur; im Norden endlich die weite grüne Ebene mit dem Stromlauf der Weichsel und den malerischen Takelagen zahlreicher Seeschiffe darauf, mit Neufahrwasser und den Festungswerken von Weichselmünde, mit dem gärtenreichen berühmten Oliva und der uralten vierfachen Lindenallee nach Langfuhr, Oliva und den Ortschaften am Fuß des lieblichen Karlsberges, von dem das Auge weit in die blaue See bis gen Hela hinausschaut — eine Umgebung, wie kaum eine andere Stadt
Grenzboten III. 1868. 41