Wie deutscheil Feste der ersten AnZustuioche
X Nichts gelernt und nichts vergessen zu haben galt seiner Zeit sür das Privilegium des legitimistischen Junkerthums. Der deutsche Liberale, der an den Orgien desselben vorüberging, versäumte nicht ein Kreuz zu schlagen und bei sich zu denken: „Ich danke Dir, daß ich nicht bin, wie diese." Diese Zeiten sind wie es scheint vorüber. Die norddeutschen Tories, der Spielerei mit verbrauchten Phrasen müde geworden, besinnen sich auf die Pflichten, denen die Aristokratie eines großen Gemeinwesens gerecht werden muß, wenn sie auch nur den Schatten ihrer früheren Bedeutung wahren will — die Rolle der Unverbesserlichen und Unbelehrbaren haben die sogenannten Volksmänner übernommen, nur mit dem Unterschiede, daß diese weder eine kleine noch eine mächtige, noch überhaupt eine Partei bilden, sondern sich und ihre Sache auf eigene Hand und für eigene Rechnung lächerlich, ihr Hauptinstrument, das populäre Volksfest, unbrauchbar machen.
Ein solches Volksfest haben wir in voriger Woche erlebt. Die Einzelheiten desselben sind aus den Zeitungen bekannt. An und für sich wäre gegen das Gebahren der in Wien versammelten Volksmänner von unserem, dem nationalen Standpunkt nichts einzuwenden—im Gegentheil wir könnten es uns gefallen lassen, wenn die Führer des Particularismus und der radikalen und föderativen Demokratie sich so öffentlich an den Pranger stellen, wie sie es während der beiden letzten Wochen gethan. Volksversammlungen, welche sich die Aufgabe stellen. Grundlagen eines neuen politischen Programms zu finden, sind an und für sich wenig gefährlich und wenn es auf denselben gar dazu kommt, daß die Schreier des idealpolitischen Systems, nach welchem jede Handbreit deutschen Landes ein souveraines Selbstbestimmungsrecht besitzen soll, — daß diese durch den Ruf „Am liebsten gar keine Politik, sondern ein kosmopolitisches Brüderbündniß aller europäischen Völker auf socialistischer Grundlage" zum Schweigen gebracht werden, so kann das seine pädagogische Wirkung auf die Massen nicht verfehlen. Auch mit der Wirkung, welches dieses Treiben auf die Deutsch-Oestreicher geübt hat, können wir zufrieden sein. Das Facit der Urtheile, welche die großen wiener Journale
Grciizboten III. 1808. 31