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Vom Weihnachtstische.
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S19

Nase anzusehen. Ihre Gesichter führen auf ihre Art den Beweis, daß unser Leben, grade so wie es ist, der Poesie keineswegs entbehrt. Freilich ist es gewissermaßen eine Poesie der Prosa, was uns hier begegnet, aber herzerquickende Munterkeit und Unbefangenheit, Frische und Freimuth ergötzen und erheben uns nicht in eine andere Welt, sondern zu der, die wir als Heimath unserer Heimath im Herzen tragen.

Vergessen wir nicht über der Freude an diesen liebenswürdigen Werken die braven Hände, die sie durch den Holzschnitt zum Volksgut gemacht haben. Beide sind fast von den nämlichen ausgeführt. Ganz besonders scheinen uns, abgesehen von Bürkners eigenen Leistungen, die Blätter, welche Günthers und Ocrtcls Namen tragen, Handwcise und Intention am besten zu treffen und dem Material am ent­sprechendsten wiederzugeben.

Uns zweigetheilten Deutschen wird diesmal nicht auf gleichem Tische beschert. Unwillkürlich treten wir vor jede Gabe dieses Jahres mit der Frage: gehört das uns oder Euch? In unserem Falle ist die Antwort erspart; jeder Weihnachtstisch hat ein neutrales Plätzchen, aus welchem, nicht allemal zur Zufriedenheit der Erwartenden, gemeinschaftliches Eigenthum liegt; und die Spenden unserer Künstler gehören an diese Stelle. Aber eine Anmerkung sei. dazu erlaubt. Richters Werke, so sehr sie auch besonders süddeutsches Voltsthum darstellen, sind weit mehr im Norden ver­breitet, wo er schafft; und in noch höherem Grade gilt das von Pletsch. Im Süden wird äußerst wenig hervorgebracht, was in dieser Richtung als Tauschobject dienen könnte. Das ist nicht erfreulich; denn grade der Verkehr mit solchen Schätzen des Geschmackes und Herzens spinnt die festesten Fäden. Die schmollenden Brüder, die jetzt von einander abgewandt je ihr eigenes Leben führen, würden in solcher Gegen­seitigkeit der Leistungen wie in einem Spiegel sich wieder in die Augen sehen lernen. Im Norden fehlt es dazu weder am guten Willen, noch an entsprechenden Leistungen. Süddeutsche Literatur und Kunst ist so willkommen und so populär bei uns wie die eigene, und jeder Markt und jeder Leserkreis bei uns straft die abgeschmackte Redensart Lügen, daß wir nicht in gleicher Weise gemüthvoll producirtcn oder daß wir die Ablehnenden wären.

Literatur.

Deutsches Leben im Glauben. 1. Bremen, C. Ed. Müller.

Eine mehr mit Pracht als mit durchgehendem Geschmack ausgestattete Samm­lung frommer Sprüche und Lieder, der Bibel und der deutschen Literatur von Luthers Zeit bis auf die Gegenwart entnommen, Pendant zu dem im gleichen Ver­lag erschienenen Werke: Deutsches Leben in Liedern. Jedem Capitel sind Farbendruck­blätter vorgesetzt, welche meist mendelssvhnsche Compositionen geistlicher Gesänge in