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Die Stimmung in Oestreich
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Die Stimmung in Oestreich.

(Von einem O e st r e i ch e r.)

Ein Kaiserreich für ein Programm, d. h. für planvolles Handeln, könnte mah den östreichischen Staatsmännern zurufen, aber dazu fehlt ihnen vor allem der gute Wille. Man hatte sich daran gewöhnt diesen Willen bei Herrn v. Schmerling vor-, auszusetzen, doch die Logik der Thatsachen belehrte jedermann eines Bessern. Der Reichsrath hatte schon in seinem Entstehen eine blos finanzielle Bedeutung, dem gesunkenen Staatscredit sollte er aufhelfen und selbst in diesem Punkte war seine Wirksamkeit illusorisch, man häufte Schulden hinter seinem Rücken. Im Innern blieb es bei der alten Beamtenwirthschaft, die Reactionäre behielten ihre einflußreichen Stellen, auf der Presse lastete der Druck von Gesetzen aus der Reactionszeit, die Abänderung des Concordats sollte dessen Verfasser, Weih« bischof Fehler, in Rom vermitteln, aber seine Berichte blieben Geheimniß des Staatsministcrs, der mit dem jesuitischen Cardinal Rauscher unter der Decke spielte.

In äußeren Angelegenheiten war dem Reichsrath nur ausnahmsweise und aus besonderem Freimuth ein Wort gegönnt, man bewies ihm aber in der schieswig-holsteinschen Frage die Nutzlosigkeit jedes Versuches einer Einsprache. Es herrschte im Ministerium eine unüberwindliche Furcht vor den demokratischen Deutschen, von denen man sich energisch lossagte. Was Wunder, wenn dem Ministerium Schmerling am Ende auch seine treuesten Anhänger Opposition machten! Die Stunde der alten Feudalen war gekommen. Ungarn, das Land der Magnaten, durfte, wie sie meinten, nicht länger gehemmt bleiben in der Ausübung seiner verfassungsmäßigen Rechte. Hinter dem Rücken des Minister- Präsidenten Erzherzog Rainer und des Staatsministcrs wurde auf Andringen des Grafen Festetics und Genossen Herr v. Majlath zum ungarischen Hofkanzier ernannt, Graf Zichy vermittelte j^en beiden die von ihm gemachte Entdeckung,

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