Sachsen und Süddentschland.
Leichten Muth hat der Friede den Deutschen nirgend gebracht; bis auf den tiefsten Grund war unser Leben erschüttert, noch hat jeder Einzelne zu thun, sich in den veränderten Verhältnissen zurecht zu finden. Schnell ist der friedliche Verkehr eines Volkes gestört, nicht so leicht erhält der Schaffende und Genießende, Kaufmann und Consument das Vertrauen auf die Festigkeit irdischer Verhältnisse zurück. Und nicht nur die politische Verwickelung hat das Jahr zu einem sorgenvolleiMemacht, auch die Krankheit, welche erst in unseren Jahren' wie ein Gespenst in ihrem weißen Bahrtuch aus dem Orient herangeweht wurde, liegt noch über dem Lande, und erst von der Winterkälte hofft man Befreiung. Wer über die Opfer trauert, welche der deutsche Krieg dieses Jahres sich gefordert, der denke auch daran, daß die eine Krankheit, welche in demselben Jahre herrschte, wohl mehr als die zehnfache Zahl der Menschen uns entrissen hat.
Aber über den ernsthaften Deutschen schien die Octobersonne in so reinem Glanz, als, ob die, Natur durch goldenes Licht und reine Luft die verlorene Lebensfrische wieder ersetzen wollte. Wer jes irgend vermochte, gönnte sich in den letzten milden Wochen des Jahres späte Erholung. Der Jäger suchte sein Waidgeräth hervor, der Städter floh in die Berge unter das fallende Laub der bunten Baumwipfel. Auch in den großen Geschäften haben Wochen verhältnißmäßiger Ruhe begonnen, seit dem Schluß der preußischen Kammern haben mehre Minister Berlin verlassen und beurlaubte Krieger suchen Erholung in der Heimath und Heilung in solchen Bädern, welche späte Kur noch gestatten.
Unterdeß sind Hannover, Hessen, Nassau. Frankfurt dem preußischen Staate feierlich einverleibt, in Frankfurt und Hannover war der Tag, wo des Königs Patent Publicirt wurde, nur ein militärischer Festtag, er wird deshalb nicht weniger segensvoll für die Bevölkerung dieser Territorien sein. Der preußischen Regierung wird Nachsicht mit dem Trotz der Kleinen ziemen, denn auch sie Greuzboten IV. 18K6. 11