Noch einmal die sächsische Frage.
Was wird aus Sachsen? Leipzig, Otto Wigand. 1866. Sachsen und der norddeutsche Bund. Bernhard Tauchnitz. 1866.
Noch ist über den Lauf der Verhandlungen zwischen dem König von Sachsen und der preußischen Regierung nichts Sicheres bekannt; aber mehre Anzeichen berechtigen zu der Vermuthung, daß auch hier der Abschluß eines Friedensvertrages nahe ist. Die projectirte Uebergabe des Königsteins an die Preußen ist ein Symptom dafür, daß die Majestät des Königs von Sachsen Ursache hat mit dem Lauf der Dinge zufrieden zu sein, denn solche Uebergabe wird doch nur eingeleitet, wenn in den Hauptsachen bereits Einvcrständniß erzielt ist. Ferner ist kein Geheimniß, daß in Berlin Einzelne, welche entweder Einfluß haben oder die maßgebende Stimmung ausdrücken, eine milde Behandlung Sachsens als nützlich empfehlen. Es sei besser, einen geneigten Freund als einen erbitterten Gegner einzusetzen. Der Fahneneid sei unnöthig, die 10 oder 5 Millionen Kriegssteuer könne man erlassen, auch die Uebergabe des Königsteins sei zuletzt nur eine Ceremonie, die vielleicht aus Rücksicht auf das preußische Heer wünschenswert!) sei, die Festung könne den Sachsen in späterer Zeit immer wieder ausgehändigt werden, es sei unvermeidlich, daß Sachsen als wirklich souveräner Staat in den neuen Bund trete. Auch die diplomatische Vertretung müsse ihm bleiben.
Nicht unmöglich, daß man auf solchen Grundlagen bereits während dies geschrieben wird, den Frieden punctirt. Deshalb ist es vielleicht zum letzten Mal, daß in d. Bl. über das deutsche Interesse bei der sächsischen Frage gesprochen werden darf. Da es aber mißlich ist, gegen den unsicheren Schatten eines Gerüchtes zu kämpfen, so wird als greifbarer Gegner hier die zweite der obenerwähnten Flugschriften angenommen.
Die beiden Flugschriften vertreten in dieser Frage entgegengesetzten Standpunkt. Die erstere: „Was wird aus Sachsen?" ist das Resultat einer von der nationalen Partei in Sachsen ausgeschriebenen Concurrenz, die Ueber- Grmzbotcn III. 1866. 61