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fragen so bunt verschlungen, daß, ohne Schädigung deutscher Interessen, für den preußischen Staat die mannigfaltigsten Combinationen möglich sind und gegen drohende Vergewaltigung von irgendeiner Seite her immer noch Trümpfe mit Hilfenahme der andern ausgespielt werden können. Preußen hat in den meisten europäischen Fragen die Hand frei und besitzt zugleich die Kraft, diese Hand energisch dahin oder dorthin ju rühren.
Daher unser Vertrauen, daß an dem ursprünglichen Kriegsziel festgehalten werden wird; zumal da Graf Bismarck, dächten wir, sich bisher im diplomatischen Kampf den andern Herren am grünen Tisch nicht grade unebenbürtig gezeigt hat. Das Kriegsziel aber ist und gekämpst wird um Artikel I des Re- formentwurfes: Ausschluß Oestreichs aus dem deutschen Bund. Noch wollen die Oestreicher den Gedanken nicht fassen; der „geniale- Schachzug ihrer bankerotten Diplomatie, meinen sie, habe dies Opfer verhütet. Aber ehe nicht dieser Artikel acceptirt wird, nicht eher wird ein dauerhafter Friede in Deutschland geschlossen werden.
Die Situation in Venetien.
Militärischen Beobachtern war es nicht zweifelhaft, daß die zehn Tage nach der Schlacht von Custozza begonnenen Operationen der Ocstreicher auf dem italienischen Minciouscr — die Besetzung Voltas und Cavri-nias und die kurze Beschießung von Desenzano — eine Zurückziehung der Hauptmacht nach Norden zu maskiren bestimmt seien. Aber das verhängnißvolle „Zu spät" bewährte sich auch hier als die KricgSdcvise der Kaiserlichen. Wie viel besser es gewesen wäre, in Venetien nur die nothwendigste Truppenstärke aufzustellen, anstatt in unerschütterlichem Vertrauen auf die herrliche Nordarmce dort eine Macht zu concentriren, die auch die Offensive zu ergreifen im Stande war, das sah man in der Hofburg erst ein, als die am Po und an der Etsch errungenen Vortheile durch den Gang der Ereignisse in Böhmen mehr als ausgewogen wurden. Um der blutigen und doch unfruchtbaren Gloire von Custozza willen hatte Benedek auf etliche Corps verzichten müssen, die er an den Tagen von Trautenau und Königgrätz mit Schrecken vermißte. Für den italienischen Kriegsschauplatz war strengste Defensive geboten. War das erkannt, so hätte man die 100,000 Mann, die jetzt mit äußerster Hast und mit zweifelhafter Aussicht auf Nutzen aus Venetien an die Donau geschleppt werden, gleich Anfangs dem böhmischen Heere zutheilen müssen. In Verona waren sie überflüssig, in Böhmen hat ihr Mangel die furchtbare Katastrophe gezeitigt.
Zur Bezeichnung der Motive, welche zur Abstoßung Veneticns trieben, ist das Arsenal brandmarkender Epitheta erschöpft. Wir fassen hier lediglich die mißliche Situation ins Auge, welche aus dieser Musterleistung der k. k. Politik, die zwischen „verflucht geschcidt" und „herzlich dumm" die jedenfalls unrühmliche Mitte hält, für das florentiner Cabinct hervorging. Daß Victor Emanuel zufolge der politischen Strategie Oestreichs dieselbe Provinz, aus der er soeben mit herbem Schlage ver-