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und unglücklich lebt. Aber weil der Mensch nicht dem Phönix gleich im Licht der Sonne wiedergeboren emporsteigt, erlahmt die Hand, und mühsam schleppt der Fuß sich weiter. Condivi bezeugt, daß Michelangelo damals nach dem Scheitern jenes und anderer Pläne in einen Zustand trüber Apathie verfiel und längere Zeit unfähig war zu aller Arbeit.
Ein sehr streitbares Sonett (6) läßt uns in die Tiefe der damaligen Municipaleifersüchteleien der Italiener blicken. Ein Piftojese hat wie es scheint in einem Gedicht den Florentinern höhnisches Lob gespendet. Michelangelo zahlt es mit einem von Grobheit strotzenden Sonett an die übermüthigen, neidischen, gottverhaßten Kainssöhne zurück. Es erinnert lebhaft au die Ausfälle Dantes auf die Pistojesen. und Michelangelo weist selbst darauf hin, wenn er fortfährt: „Gedenk an das, was der Dichter von Pistoja sagt, dies genügt; und wenn du von Florenz Gutes sagst, so weiß ich, daß dein Schmeicheln Spott ist. Wohl ist es ein kostbares Kleinod, aber du vermagst es nicht zu schätzen: denn nur vom Edlen wird es erkannt." — Dieser Ausbruch eifersüchtiger .Liebe zu seiner Vaterstadt führt uns zur politischen Muse des Dichters, über die wir noch ausführlicher reden werden.
Ei» Blick auf das italienische Kriegsterrain.
Die östreichische Armee ist im Fcstungsviereck zusammengezogen, das Hauptquartier Verona, die Reisfelder von Mantua stehen unter Wasser, der Zugang zum Hafen von Venedig ist unwegsam gemacht, das Fahrwasser von Mala- mocco strotzt von Höllenmaschinen und Torpedos.
Hart hinter den Oestreichern hat die italienische Armee den Mincio Passirt und Valeggio und Gotto, die alten Güter der Gonzaga, besetzt. Auf ihrem östlichen Flügel ist der Po überschritten, auf dem westlichen stehen die Ganbaldianer in Lecco und Cvmo, wenn nicht schon halbwegs nach dem stilfser Joch und schon ist Riva am Gardasee von den Rothhcmden bedroht, vielleicht bereits genommen.
Indem wir die Situation ins Auge fassen, welche durch diese Thatsachen bezeichnet wird, scheint es, als wären wir sieben Jahre in der italienischen Kriegsgeschichte zurückversetzt. Wir könnten meinen, die Tage seien eben vorüber, in denen Solferino gewonnen und verloren wurde. Doch seit der