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Zustände in Nassau.
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verwirklicht zu sehen. Es ist wahrscheinlich, daß man zögern und zaudern, daß man warten wird, bis die Ereignisse auch diese Möglichkeit überholt haben. Dadurch durften wir uns aber nicht abhalten lassen, diese Vorschläge zu machen, wenn auch halb mit dem Bewußtsein des:Uou spsin seeuti sumus, seä Kollorem!"

Bleibt man taub für jeden wohlgemeinten Nath. nun, so mögen die Geschicke sich erfüllen.

Wiesbaden, im Mai 1866.

Brief eines deutschen Dichters,

nach dem Bombardement von Dresden, 1760.

Wer war Gottlieb Wilhelm Rabener? Selbstverständlich ein Dichter (1714 bis 1771). Was hat er geschrieben? Wie jedermann weiß, Satiren. Wer hat sie gelesen? Wir vermuthen, keine große Zahl der jetzt lebenden Menschen. Und doch war der gute, gescheidte und aufgeklärte Mann ein Lehrer und Stimmführer seiner Zeit, von kaum geringerem Einfluß als Geliert. Ein Jahr nach seinem Tode erschien die zehnte Auflage seinersatirischen Schriften". Die nächste Folgezeit empfand, wie das immer geschieht, zunächst den Fortschritt, den sie selbst gemacht hatte, und es stand ihr wohl an. mit einigem Stolz auf die ersten Vertreter ihrer Humanität herabzusehen. Wir stehen anders zu diesen Alten, wir würdigen sie unbefangen als Repräsentanten einer vergangenen Bil­dung, und wir freuen uns. wo wir auf ihren kleinen Flöten zuerst eine leise Melodie hören, welche seitdem voller und wohltönender durch die deutschen Länder gezogen ist.

Allerdings ist kaum ein größerer Gegensatz denkbar, als zwischen den Sa­tiren Nabcners und den Gedichten seines großen Vorbildes Horaz. Was er Satiren nannte, waren kleine Prosaaufsätze, Briefe, Abhandlungen u. s. w., in denen er Verkehrtheiten seiner Zeit gewissermaßen scherzhaft, in der Regel durch Uebertreibung auffällig machte. Sorgfältig vermied er persönliche Anspielungen, hielt sich genau in bürgerlichem Kreise und hütete sich, vornehme Narrheit auf den Markt zustellen; zwar gestand er einem Vertrauten, daß die Thorheiten der Großen nicht weniger auSgiebig wären, aber die Sache sei gefährlich; höchstens