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Briefe aus Oestreich.
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Krönungseide beschwören. Das Schriftstück ist ein Meisterwerk, was die klare Darstellung und die Entschiedenheit und zugleich die wohlwollende Färbung in Ton und Haltung betrifft. Ohne Zweifel aus Mailaths trefflicher Feder hervorgegangen, sind denn doch einige temperirendc d. h. die Gesammtstaatsscitc noch schärfer be­leuchtende Spuren des belcMi sehen Geistes zu erkennen. In den pesthcr Landtags- kreiscn hat das Rcscript, wie zu erwarten stand, vorerst einen deprimirenden, wenig­stens sehr ernüchternden Eindruck hervorgebracht. Man vermißt namentlich irgend Eine bestimmte Zusage oder Concession, während eben das Rcscript ausdrücklich hervorhebt, daß alles gleichzeitig und gleichmäßig geordnet werde. Indeß wird ohne Zweifel die Verstimmung allmülig sich heben, wenngleich in den nächsten Debatten über das Rcscript sich ein herberer Ton wird vernehmen lassen und die Linke mit einzelnen Forderungen prononcirtcr hervortreten dürste. Für Dcak kommen jetzt schwere Stunden. Er allein kann die Verhandlungen im ruhigen und richtigen Fahrwasser erhalten. Aber er wird auch am besten erkennen, daß jetzt erst Rede und Gegenrede getauscht wurde, und daß nun erst die eigentlich geschäftliche Seite der Unterhandlung begonnen hat. Man wird nun daran gehen müssen, die einzelnen Gcsetzpositioncn für die allgemeinen Angelegenheiten zu formuliren. Nebenbei dürfen wir aber eine Fortsetzung der Verhandlungen und Beschwerden wegen sofortiger Wiederherstellung der 48er Rechtscontinuität gewärtigen. Der Landtag wird seine Rcchtsvcrwahrung aufrcchthältcn, bis endlich eine Ausgleichungsbasis festgestellt ist und dann gleichzeitig mit der beendigten Revision der Gesetze die Krönung und die Sanction der Gesetze erfolgen kann. Dies ist der Gang, wenn alles im glatten Wege geht. Allerdings hängt hier noch fthr viel von dem Einfluß auswärtiger Ereignisse und von den momentanen Stimmungen in obern und untern Kreisen ab!

Literatur.

Lebcnscrinncrungcn und Denkwürdigkeiten von Karl Gu­stav Carus. 2. Theil, Leipzig. F. A. Brockhaus. 1865.

Was wir vom ersten Theile dieser Memoiren sagten, gilt auch von diesem. Der Verfasser hat in seiner Stellung am dresdner Hofe und auf seinen Reisen manche interessante Bekanntschaft und Beobachtung gemacht, und er giebt von diesen Per­sönlichkeiten und Dingen auch manche interessante Notiz. Am liebsten und aus­führlichsten aber spricht er von sich, und das ist auf die Dauer doch nur für den Kreis seiner Freunde. Zwei starke Bände, die nicht weit über das Jahr 1830 hinausführen, wann soll das enden? Jeden kleinen zufälligen Gedanken wie Gold aufgehoben, ziemlich gewöhnliche Empfindungen und Stimmungen breit ausgeführt, Glück und Unglück im Familienkreise sorgfältig verzeichnet ja wenn es Goethe selbst wäre, der uns das erzählte, und nicht einer seiner Nachahmer!

VerantwvrtUchcr Redacteur- Or. Moritz Busch. Verlag von F. L. Hcrt'ia, Druck von C. E. Avert in Leipzig.