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Zur Genesis der Parteien in Spanien.
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Zur Genesis der Parteien in Spanien.

Wieder einmal hat die Gährung in Spanien eine jener Blasen empor­getrieben, welche durch ihre rasche Aufeinanderfolge erkennen lassen, wie stark das revolutionäre Ferment in diesem Staate ist. Eine Zeit lang konnte man in der Ferne meinen, die Ordnung im Innern sei leidlich gesichert, ein Fort­schritt, der alle Parteien, die Extreme ausgenommen, zufriedenstellen werde, sei angebahnt. Wer den Dingen näher stand, wußte, daß dies nur Schein war. Jetzt hat das Pronunciamento Prims auch andern gezeigt, daß dem so war, und daß die Bewegung der Geister sich nicht blos auf einen Wechsel des Regierungs­systems, sondern auf nichts Geringeres als den Sturz der herrschenden Dynastie richtet. Der Aufstand des Chefs der Progressisten ist, wie es scheint, miß­glückt, aus was für Ursachen, ist gleichgiltig, da die der Vermuthung am nächsten liegende mögliche Hauptursache, Wohlgefallen der Mehrheit des Volkes an den gegenwärtigen Zuständen, durch anderweite notorische Thatsachen ausgeschlossen Wird. Wenn nicht alles trügt, so wird binnen Kurzem ein neues Pronun­ciamento erfolgen und -nicht mißglücken.

Um die neueste Geschichte Spaniens zu begreifen, müssen wir mehr wie bei irgendeinem andern Lande in frühere Jahrhunderte zurückblicken, ja der Schlüssel zu allen heutigen Schicksalen desselben liegt eigentlich nicht weit dies­seits der Zeit, wo der spanische Staat überhaupt entstand, in der Periode der ersten Habsburgischen Herrscher. Kein Land ist so rasch aus der Unruhe und Verwirrung des Mittelalters in die feste Ordnung des modernen Staats ver­setzt worden als Spanien durch das Zusammenwirken Jsabellas von Castilien und Ferdinands von Aragon. Vor diesen beiden außerordentlichen Fürsten all­gemeine Zerrissenheit, willkürlichste Geltendmachung aller besondern Interessen des Adels, der Prälaten, der stolzen Bürgerschaften, die Krone machtlos neben dem Uebermuth der Stände, der Norden in zwei Herrschaften getheilt, im Süden ein mohammedanisches Reich. Unter und nach ihnen, nach Verlauf weniger Jahre, das vollständige Gegentheil von alledem: ganz Spanien ein einiger fest geschlossn» Staat mit umsichtiger, allenthalben fühlbarer Verwaltung, kräf­tiger Justiz, aufmerksamer Polizei und sogar ziemlich weitreichender Erziehung. Früher ein allgemeines Vorwalten des kriegerischen Elements, das die Kämpfe gegen die Ungläubigen und die Fehden der christlichen Fürsten unter einander groß gezogen, daneben üppiges Blühen der Phantasie in Glaube, Gesang und Liebe. Jetzt auch ein erfreuliches Gedeihen von nüchterner und friedlicher Thätigkeit, von Ackerbau, Gewerbe und Handel, namentlich in Catalonien, Va-