34
Fürst nnd Künstler.
Noch immer unterhalten die Zeitungen das Publikum mit den Vorgängen, welche in einer süddeutschen Residenz den viel besprochenen Vertreter moderner musikalischer Richtung aus der Nähe eines jungen Königs verbannt haben. Es ist nicht Beruf dieses Blattes, das Detail dieser Angelegenheit zu beurtheilen und über Recht und Unrecht zu entscheiden, dazu fehlt uns nicht nur genaue Kenntniß der Menschen, welche dabei thätig waren, sondern ebenso sehr die Ueberzeugung, daß eine öffentliche Besprechung irgendwelchen Nutzen stiften könne. Im Ganzen wird man auch hier das alte Leid erkennen, welches sich an dergleichen Verhältnisse zwischen vornehmen Herrn, und ihren Vertrauten aus der Kunstwelt zu hängen pflegt. Der Gönner giebt sich eine Zeit lang freudig den erhebenden Eindrücken hin, welche die schöne Kunst auf die Seelen der Menschen ausübt, er ist geneigt, das Schöne und Große, welches ihm die Kunst gegeben, auch dem Künstler zuzutrauen und einen Theil seines eigenen Urtheils in die Hand des Künstlers zu geben. Der Künstler aber, in neue Verhältnisse versetzt, übermäßig erregt durch die glänzenden Farben, welche auf einmal sein Leben erfüllen, breitet sich anspruchsvoll und herrschlustig aus. Er tritt in Opposition gegen die Convenienzen des Hofes, gegen Sitte und Brauch seiner neuen Umgebung, Mehrern wird er lästig, welche mit oder ohne Recht einen Einfluß auf den Fürsten beanspruchen, Andere feindet er selbst an, endlich vereinigen sich Viele zum Kampfe gegen ihn; er hat Blößen gegeben und er unterliegt endlich, der Traum seiner Bedeutung zerrinnt, und beide, der Fürst und er, haben eine Einbuße erfahren, denn mit Opfern bezahlen beide eine Enttäuschung. Dergleichen ist schon lange vor Tasso stärkern Männern begegnet, als Herr Wagner ist, und Fürsten, die eine längere Erfahrung hatten, als der junge König von Bayern. Immer aber liegt etwas Trauriges in solchem Versall, denn die freundliche Neigung eines mächtigen Fürsten zu einem wahren Künstler kann für die Kunst selbst von Bedeutung werden und in dem menschlichen Verhältniß ist in der That ein Idealer Inhalt, welcher beiden, dem Fürsten und dem Künstler, das Herz erhob.
Wir suchen die Lehre, welche durch das Unsichere einer solchen Verbindung für beide Theile verkündet wird, es ist eine alte, längst bekannte Wahrheit. Mißlich ist zuerst für den Fürsten, einen Künstler zu seinem Vertrauten zu wählen. Dieser ist Souverän in einem vornehmen Gebiet des menschlichen Schaffens, er ist gewöhnt, frei spielend in dem Kreise seiner Anschauungen zu walten, ist