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Ein mlgedrnckter Brief Gellerts.
Der nachfolgende Brief Christian Fürchtegott Gellerts ist so charakteristisch für den Schreiber und für die Zeit, in welcher er abgesandt wurde, daß ein Abdruck nach dem Original in d. Bl. von Interesse sein wird. Es ist, soweit uns bekannt, der erste Druck.
Gellert war, als er diesen Brief schrieb, dreißig Jahr alt und behauptete als Dichter, als junger Lehrer der Universität Leipzig und als gemüthvoller Gewissensrath schon einige Geltung. Bereits waren Lieder von ihm, und die Schäferspiele „das Band' und „Sylvia" im Druck erschienen. Dasselbe Jahr 1745 brachte das Lustspiel „die Betschwester", das nächste seinen Roman: „das Leben der schwedischen Gräsin von G." und sein Hauptwerk, die Fabeln. Auch daran muß man denken, daß Gellert seinen Zeitgenossen als unabhängiger Charakter theuer war, der ohne Menschenfurcht die Wahrheit sagte und die Tugenden eines milden Sittenpredigers durch ein unsträfliches Leben bewährte. Er galt dafür, mehr Unabhängigkeitssinn und Manneswürde zu besitzen, als der größte Theil seiner College». Aber die Ansichten über Gelehrtcnehre sind jetzt andere als damals. Der nachfolgende Brief wirft ein grelles Streiflicht auf die unsichere und gedrückte Stellung eines bürgerlichen Mannes der Wissenschaft. In Verkehr mit Vornehmen war der arme Gelehrte in der Regel ein demüthiger Gast, welcher zuweilen mit einer Einladung und einem Besuche beehrt wurde, weil was er geschrieben gefiel, weil er vielbesprochen war, oder weil sein Discurs gewissermaßen eine anmuthige Ergötzlichkeit hervorbrachte in den Pausen, welche Anekdotenkram und kleine Klatschgeschichten oder gar zweideutige Scherze übrig ließen. Kein Wunder, daß in dieser Zeit, wo die Stände scharf geschieden, wo Respect vor vornehmen Ansprüchen, vor Titel und höherer Stellung sehr fest begründet waren, nur die Stärksten sich im Verkehr von zu großer Willfährigkeit gegen Höherstehende freihielten. Zu diesen Stärksten gehörte Gellert bekanntlich nicht. Seine — übrigens harmlose — Eitelkeit machte ihm den Umgang mit solchen Privilegirten doch sehr angenehm, und er berichtete gern seinen Freunden von derartiger Vertraulichkeit. Sein Privatleben war anspruchlos und einfach, aber er fand noch kein Bedenken darin, von werthen Gönnern und Bewunderern Geldgeschenke anzunehmen, ja er wurde durch solche Gaben, die in Rührung über seine menschenfreundlichen Poesien gespendet wurden, selbst zu Thränen gerührt.
So ist nicht zu verwundern, wenn er der ungehörigen und höchst unschicklichen Zumuthung eines Prinzen, bei einem rohen Scherz mitzuwirken, bereitwillig