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Kleinere Schriften von Jacob Grimm.
Erster Band: Rcdcn und Abhandlungen. 1864. Zweiter Band: Abhandlungen zur Mythologie und Sittcnkundc, 18K5. Berlin, F. Dümmlers Verlagsbuchhandlung.
Der Begründer der deutschen Sprachwissenschaft starb als ein hochberühmter Mann, von dessen wissenschaftlicher Bedeutung der Laie mehr oder minder deutliche Vorstellung hatte; seine persönlichen Schicksale haben mehr als einmal die Augen der Nation nach ihm gezogen, er galt Jedermann für eine der großen Säulen unserer Gelehrsamkeit, zu'deren Wissen, Integrität und edlem Sin» das Volk festes Vertrauen hegte. In der That war er eine der hellsten Gestalten unsrer Zeit, die man unter den Ersten nennen wird, so oft man den deutschen Schatz geistiger Habe und geistiger Arbeit mustert. Seit wir ihn verloren, ist mehr als einmal die Erinnerung an ihn lebhaft aufgeregt worden, nicht am wenigsten durch die vorliegenden Bände. Diese bringen die lange entbehrte Sammlung kleiner Arbeiten, welche, zum Theil, durch seine Stellung in der berliner Akademie der Wissenschaften veranlaßt, bis jetzt Nicht bequem zu erlangen waren. Auch unter diesen Abhandlungen sind mehre Prachtstücke von hohem Werth, wie: „Die deutschen Grenzalterthümer", „Ueber den Ursprung der Sprache".
Aber es ist nicht der wissenschaftliche Werth allein, der sie uns theuer macht, sondern der Einblick in ein großes und reiches Gemüth, welches sehr deutsch und eigenthümlich in seinem Empfinden, Sinnen und der Methode seines Schaffens zu uns redet.
Weniges von dem, was er auch in größere Werke gefügt, macht den Eindruck eines fertig und abgeschlossen Geschaffenen, alles ist wie Bruchstück eines reichen Wissens, welches in unablässigem Fluß und tiefer Strömung dahin- rauscht.
Sein großes Amt war, eine verschüttete Welt, von der fast jede Kunde geschwunden war. aus alten Sprachformen, aus schriftlichen Denkmälern früherer Jahrhunderte und aus unverständlich gewordenen Bräuchen des Volkes wieder den Menschen lebendig zu machen, dem Naturforscher gleich, der in der Tiefe der Erde das organische Leben der Vorwelt zu erkennen sucht und Stein zu Stein, Bein zu Bein fügend Form und Wesen untergegangener Bildungen erkennt, die Gesetzlichkeit der einzelnen Formen begreift und zuletzt aus einem einzelnen Trümmerstück mit vollkommener Sicherheit den ganzen verlorenen Organismus darzustellen weiß. Unter seinen Mitarbeitern war sein Bruder Wilhelm einer der Ersten, weit anders geartet, neben den großen Würfen