935
Vermischte Literatur. .
Schlesischc P ro v i n z i albl älter. Herausgegeben von Th. Oelsner. Neue Folge. Vierter Jahrgang. 1865. Januar — Octobcr.
Unter den Mvnatsblättern, denen die Förderung der geistigen und materiellen Interessen einer bestimmten Landschaft obliegt, nimmt das vorliegende Werk, eine Fortsetzung der von Streit begründeten gleichnamigen Wochenschrift, eine sehr achtbare Stelle ein. Der Heransgeber verbindet mit echt deutscher Freude am Detail ein gutes Wissen und innige Liebe zu seinem Heimnthlande, er ist auss sorglichste bemüht, das Unternehmen interessant und lehrreich zu machen. Es ist ihm gelungen, einen großen Theil der chrenwerthen Schriftsteller Schlesiens dasür zu gewinnen und die populäre Tendenz desselben mit einer unablässigen Berücksichtigung auch der wissenschaftlichen Interessen Schlesiens zu vereinigen. Alle praktischen socialen Fragen, neue Entdeckungen, Fortschritte der Wissenschaft, Literarhistorisches und Geschichtliches, was irgend die Darstellung der Culturvcrhältnisse Schlesiens fördert, und was dazu helfen kann, den Landsleutcn Freude an ihrer Hcimath und deren Vergangenheit zu geben, wird aufmerksam beachtet. Auch kleine Gedichte fehlen nicht, zumal im Dialekt, und das ist billig; denn die poetischen Bedürfnisse des Schlesiers sind noch jetzt ebenso umfangreich als anspruchslos. Auch eine sehr reiche Chronik und Statistik, eine fortlaufende kleine Revue über schlesischc Literatur und Kunst wird gegeben. Die Vereinigung so vieler Gesichtspunkte giebt dem Blatte eine bunte Mannigfaltigkeit, die für seine Verbreitung in weitere Kreise unentbehrlich ist, die aber dem Geschick des Herausgebers gewiß oft schwere Aufgaben stellt. Es ist in Summa ein ehrcnwcrthcs, gut redigirtes Unternehmen, welches durch die warme Theilnahme aller Schlcsier gestützt zu werden verdient. Es beansprucht aber auch gegenüber der deutschen Wissenschaft eine hübsche bescheidene Anerkennung; denn wenn wir die Tendenz des wackeren Herausgebers richtig deuten, so sind es die Geschichte und die Alterthümer seiner Provinz, welche er mit besonderer Liebe behandelt. Für die Dialekte der Landschaft, für Sitten und Gebräuche, Sagen, Märchen und Volkslieder, für Stadt- und Dorfgeschichte enthält dasselbe eine Menge von kleinen, zum Theil werthvollcn Beitragen. Und es ist sehr erfreulich, wie das Blatt allen Erinnerungen aus alter Zeit nachspürt, hier aus ein altes Haus, dort auf einen sagenhaften Zug, auf Münzfundc, auf alte Grabstätten und Urkunden aufmerksam macht, Fragen ausnimmt und Antworten ertheilt. Wir wünschen deshalb diesem mühevollen Streben nach jeder Richtung den besten Erfolg und rühmen sowohl den Tact als die Tendenz und den Eifer des Unternehmers.
Auch dieses litcrarische Unternehmen ist ein erfreuliches Zeichen, daß in Schlesien die Theilnahme an den eigenen Angelegenheiten, das Behagen an der Gegenwart
ISO*