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Vermischte Literatur.
Studien zur Culturgeschichte Polens, Von C.Adler. Erster Band. Berlin. 1866. E. S. Mittler und Sohn. 324 S.
Der Verfasser ist offenbar ein Laie, jedenfalls ohne die nöthige allgemeine Vorbildung für historische Arbeiten. Eigne Forschung in den ersten Quellen, die wir bei „Studien" voraussetzen, hat er seinem Buche nicht vorangehen lassen, und wenn er auch einiges Interessante zusammengetragen hat, so läßt die Verarbeitung doch sehr viel zu wünschen übrig. Wenn wir S. 13 lesen, daß die „Polen kein ursprüngliches Volk, sondern eine ans verschiedenen, meist germanischen Völkerschaften zusammengesetzte Nation sind, wie die Bayern, die Franzosen, die Italiener, Portugiesen, Spanier und Griechen", so hätte ihm diese Zusammenstellung vielleicht im ersten und zweiten Dccennium dieses Jahrhunderts Lob eingebracht, wenn auch nur in München und nur aus politischen Gründen, heutzutage findet sie außer ihm wohl niemand anders als komisch. Und, um nur noch Eins anzuführen, wenn er S. 35 meint, weil gewisse in einer Urkunde des Klosters Mogilno vorkommende Namen an Namen erinnern, welche Helden Osfians führen, so sei auf Celten zu schließen, so sollte er wissen, daß der Ossian Macvhcrsvns, den er allein im Sinne haben kann, als aus Erfindung beruhend, nicht als Gcschichtsquellc angesehen werden darf.
Erzählungen von Iwan Turgenjew. Deutsch von Friedrich Bvdcn- stedt. Zweiter Band. München, 1865. M. Ricgersche Univcrsitätsbuchhandlung.
Turgenjew ist ein Meister der Stimmung und Farbengebung, wie selten einer zu finden. Er ist ein feiner Psycholog und ein hochgebildeter Geist. Das zeigen auch diese drei Erzählungen, namentlich die erste und die dritte. Aber trotzdem sind die meisten seiner Schöpfungen mehr Krankheitssymptomc als gesunde und wohlthuende Dichtungen. Fast von allen gilt, was hier Sergei Nikolajewitsch und „der Hausherr" über Wladimir Petrowitschs Geschichte von seiner ersten Liebe urtheilen, und über dieser ganzen Poesie schwebt etwas wie das schreckliche Ungenannte, welches in der Erzählung „Erscheinungen" die Katastrophe herbeiführt. Der „Hausherr" sagt: „Ihre einfache und ungekünstelte Erzählung hat uns einen gelinden Schauder eingeflößt. Nicht daß sie uns als unsittlich verletzt hätte; sie enthüllt etwas Dunkleres als bloße Unsittlichkeit. Durch jede Zeile offenbart sich eine — ich weiß nicht welche allgemeine Schuld, die Schuld eines ganzen Volkes. Sie fühlen es selbst, es ist etwas bei uns, was unwillkürlich an die Worte des Marcellus bei Hamlet erinnert: Es ist etwas saul im Staate Dänemark. Hoffen wir, daß unsre Kinder etwas Anderes aus ihrer Jugend zu erzählen haben werden."
Vcillnlwortlicher Redacteur: Dr- Moritz Busch. Verlag von F. L. Herbig. — Druck von C. E. Elbert in Leipzig.