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Genellis Umrisse zu Dante.
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Genellis Umrisse zu Dante.

Unter den Gaben, welche die letzten Wochen auf unsern Büchertisch legten, nehmenBonaventura Genellis Umrisse zu Dantes Göttlicher Komödie" (neue Ausgabe mit erläuterndem Text in deutscher, italienischer und französischer Sprache. Herausgegeben von Dr. Max Jordan. Leipzig- 1866. Verlag von A. Dürr) eine hervorragende Stelle ein. Zwischen Dante und Genelli besteht mehr als ein Zug der Verwandtschaft. Zunächst aber sind beide von dem Kreise der Kenner als Geister ersten Ranges in ihrer Art hoch geehrt, der großen Menge dagegen fast unbekannt. Dies ist nicht schlechthin als eine Ungerechtigkeit anzusehen, sondern erklärt sich aus der entschieden aristo­kratischen Natur, mit der beide schaffen, mit der sie ohne Rücksicht auf die sie umgebende Welt und deren Neigungen ihr Ideal gestalten.

Obgleich der Anfang der Studienzeit Genellis zeitlich wie räumlich zu­sammenfällt mit dem Beginn der Neublüthe deutscher Malerei in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, war seine Entwickelung dennoch eine isolirte, und je länger je weniger befand er sich im Einklang mit den großen Mit­strebenden von damals. Völlig fremd blieb ihm die Anlehnung an vorrafae- lische Kunst. Wie Carstens wollte er von der Antike und nur von dieser lernen. Nur was von gleichem Streben geschaffen war, vermochte seinen Beifall und Gewalt über ihn zu erlangen. So zuerst namentlich die Schöpfungen Michel­angelos, dann die vielgetadelten Caracci. Trotzige Selbständigkeit war von Jugend auf ein Grundzug seines Charakters als Mensch wie als Künstler. Am liebsten schuf er völlig frei aus sich heraus, ohne Anlehnung an Fremdes, und so will es bei ihm mehr als bei Andern bedeuten, wenn er sich einmal entschloß, davon abweichend einem von Außen gegebenen Inhalt malerisch Form und Farbe zu geben. Stets aber geschah dies dann mit schönstem Erfolge, und zu den trefflichsten dieser Leistungen gehören die hier vorliegenden Compositionen. Mit echt künstlerischer Hingebung hat er sich in die Tiefen der danteschen Dich­tung versenkt und die von ihm herausgegriffenen Scenen in einer Weise bild­nerisch reproducirt, welche die höchste Bewunderung verdient. Nirgend verfehlt er die wahren Wirkungsmittel seiner Kunst, nirgend überschreitet er die Grenzen, die der Malerei gesteckt sind., Seine Gestalten gehören wie Dantes Gestalten einer andern Welt an, aber ebenso wie dicffe sind sie überaus individuell, und Angesichts der Fülle von Charakteren, die uns hier begegnen, ist der oft ver­nommene Vorwurf, Genelli vernachlässige in seinen Figuren das Phyfiogno. mische, nur ein Fehler im Auge derer, die ihn aussprechen.

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