Beitrag 
Die neueste Wendung der östreichischen Angelegenheiten. 1.
Seite
853
Einzelbild herunterladen
 

853

nehmen können. Was infolge dessen in Oestreich geschehen ist, ist ein Abdanken der Staatsidee zu Gunsten der elementaren Kräfte, die zu leiten die Aufgabe der Staatskunst ist. Man hat gehandelt wie ein Arzt, der, wenn seine Kunst erschöpft ist, nichts Anderes thun kann, als den Kranken seiner Natur zu über­lassen. Das Experiment ist doppelt gefährlich in einem Augenblick, wo der Glaube an die europäische Nothwendigkeit Oestreichs stark erschüttert ist. Ob es zur Heilung oder Auflösung führen wird, das wird theils von Ungarn, theils aber auch davon abhängen, ob das deutsche Element kräftig genug ist, zu handeln statt zu resigniren.und zu kritisiren, und einsichtsvoll genug, um seinen Illusionen über die Oestreich gebührende Machtstellung zu entsagen. Die Constitutionellen haben es nicht verstanden, in den Zeiten ihrer Macht die Ungarn als ebenbürtige Genossen zu behandeln, sie müssen sich jetzt darein finden, sich mit den siegreichen Rivalen über die Zukunft des Staates zu ver­einbaren. Je fester sie auf sich selbst stehen, je entschiedener sie fallen lassen, was nicht zu halten ist, je kräftiger sie jedes Bündniß mit den Föderalisten ab- weisen, desto mehr Aussicht haben sie, den Dualismus durch Gründung eines deutsch-magyarischen Einheitsstaates zu versöhnen. In wie fern die Lage der auswärtigen Verhältnisse hemmend oder fördernd auf die Erreichung dieses Zieles einzuwirken vermag, wollen wir in einem zweiten Artikel betrachten.

Preußische Kriegsschiffe und Colonien unter dem großen

Kurfürsten.

Es war im Jahre 1674. als sich ein Holländer mit dem Anerbieten, den Brandenburgern gegen die Schweden mit Kriegsschiffen beizustchen, an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm wandte. Der Mann hieß Benjamin Raule, war Kaufmann und schrieb aus dem Schuldgefängniß von Middelfahrt, in welches 'hn das Mißverhältniß zwischen seinem Reichthum an Ideen und Plänen und seinem Mangel an den zur Ausführung derselben erforderlichen holländischen Dukaten und Gulden gebracht hatte. Mit ihm sich einzulassen konnte bedenklich scheinen, doch war sein Gedanke diesmal, so seltsam er uns jetzt vorkommen Mag, der Beachtung nicht unwerth. Der Kurfürst stand mit dem größten Theil seines Heeres gegen die Franzosen am Rhein, die in Brandenburg zurückge-