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Der hannoversche Ministerwechsel.
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Der hmmoversche Ministerwechsel.

Der regierende König von Hannover ist ein außergewöhnlich popularitätsbe­dürftiger Fürst. Zumal seit der Entstehung des Nationalvereins (der beiläufig am hannoverschen Hof den grausam ungerechten NamenScbluckerverei»" führt) läßt Seine Majestät keine Gelegenheit vorübergehen, um Huld zu säen und Huldigung zu ernten. Wäre er nur nicht leider blind, man könnte dreist be­haupten, daß kein lebender Monarch sein Land besser kenne, so unermüdlich ist er, bald diese bald jene Stadt oder Gegend mit der Sonne seiner Gegenwart zu überstrahlen. Und wie der liebe Gott seine Sonne über Gerechte und Un­gerechte gleichmäßig scheinen läßt, so denkt auch sein Statthalter im Welsen- lande nicht daran, aufsäßige Theile seines Volks durch Entziehung von Licht und Wärme zu züchtigen; im Gegentheil, es drängt ihn doppelt grade an solchen verstockten Kreisen die Kraft der belebenden Strahlen königlicher Huld zu erproben.

So kam er denn auch in diesem Sommer wiederholt nach Hildesheim, einer von Alters her durch unabhängigen Sinn der Bürger bezeichneten Stadt, eines niemals verloren gegangenen Sitzes der ständischen Opposition. Sein vertrauter Rath Landdrost Wermuth, der frühere Generalpolizndirecror, mußte ihm wohl versichert haben, das Terrain sei durch seine und des königlichen Polizeidirectors beharrliche Thätigkeit nun hinlänglich vorbereitet, um für die Aussaat der Loyalität empfänglich zu sein. Zunächst führte ei» Exirazug zu unerhört billigen Preisen Tausende von bereits eingefangenen Hildesheimern, Männer. Weiber und Kinder, nach der Marienburg, der nahen königlichen Sommerresidenz. Dann machte die Herrscherfamilie ihren Gegenbesuch. Es war um die Zeit der Herbstmanöver, die grade in Hildesheims Näbe abgehalten wurden. Der Bürgermeister Boyscn, der vermöge der unbestechlichen Selbstän­digkeit seiner Gesinnung der Hofparlei ein besonderer Dorn im Auge ist. glaubte in seiner amtlichen Begrüßungsrede den Besuch Sr. Majestät auf die Nähe der Truppenübungen als auf die zufällige Veranlassung desselben zurückführen zu müssen; aber da kam er übel an. Er wurde in ungnädigem Tone belehrt, die

Grcnzbolen IV. 18V5. 1,06