Beitrag 
Die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen.
Seite
801
Einzelbild herunterladen
 

Die LieMngsschlvester Friedrichs des Großen.

Voltaire und die Markgräfin von Baircuth. Von Georg Hvrn. Berlin, 1865. Verlag der Geheimen Obcrhofbuchdruckerei. 197 S. 8.

An einer Wand im charlottenburger Schlosse sah man noch vor einigen Jahren sieht man vermuthlich noch jetzt ein Gemälde, vor welchem der Besucher dieser Räume, wenn er Sinn für künstlerische Anmuth besaß, mit be­sonderem Wohlgefallen, und wenn ihm die Begebenheiten der preußischen Ge­schichte nicht fremd waren, wohl auch mit einiger Rührung zu verweilen Pflegte. Ein kleiner Knabe, drei-, vielleicht vierjährig, schlägt mit kleinen Schlägeln eine kleine Trommel. Er trägt ein fliegendes Kinderkleid von dunkelblauem Sammet und ein Mützchen von demselben Stoff, auf dem eine kurze Rabenfeder steckt, und blickt uns mit großen hellblauen, von kindischem Kriegsfeuer strahlenden Augen an. Ein Mädchen, der Größe nach etwa noch einmal so alt wie der kleine Tambour, sieht ihm in hübscher geneigter Stellung und mit ernstem Lächeln zu. Seitwärts ein mit weißen Zähnen grinsender Mohr, der ein Präsentirbret in der Hand hält. Schließlich, durch das offne Fenster in der Ferne sehen, die Gestalt eines wachehabenden Grenadiers.

Das Bild ist von Pesne, wahrscheinlich 1716 oder 1716 gemalt und zu­nächst dadurch interessant, daß es bezeugt, wie es auch in dem damaligen Berlin, Lesern halb ledernen, halb eisernen Berlin, noch Seelen gab, die künstlerisch empfanden. Der Mohr ist natürlich Staffagemöbel. Die Montur des Soldaten ^außen sagt uns, daß wir uns im Schlosse jenes wunderlichen Friedrich Wil­helm befinden, der mit seinen guten wie mit seinen üblen Eigenschaften, seiner nüchternen, rein auf das Nützliche gerichteten Anschauungsweise, seinem strammen Spartanerthum. seinem haushälterischen Hamstersinn und seiner ganzen höchst unliebenswürdigen und vielfach bornirten, im Grund und Kern aber gesunden und (bis auf seine Verblendung oder unkönigliche Duldsamkeit Oestreich gegen- über) tüchtigen Art zu denken und zu handeln einer der Väter des heutigen Preußen wurde. Mit den beiden Hauptfiguren aber ist Pesncs Gemälde ein Seitenstück zu dem vor einigen Jahren in Kamenz entdeckten Bilde, welches Grenzboten IV. 1866. 101