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Die Salomonischen Schriften.
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gut über Davids Leben unterrichtet, erzählt uns nur noch den Regierungsantritt Salomos (1 Kön. 1 und 2) und hört dann auf. Die weitere Erzählung des Buchs der Könige über diesen besteht aus kurzen historischen Notizen und aus ausführlicheren, aber unhistorischen Berichten. Die sehr specielle Schilderung des von Salomo vorgenommenen Tempelbaus beruht allerdings auf der genauen Anschauung des Tempels selbst, muß also noch vor der Zerstörung abgefaßt sein, aber als gleichzeitiges Referat über den Bau selbst kann sie nicht angesehen werden. Die Schilderung der Tempeleinweihung kann so, wie wir sie lesen, erst im babylonischen Exil zur Erbauung und zum Trost des duldenden Volks geschrieben sein, wie denn die Erzählungen über Salomo erst damals im Allgemeinen ihre jetzige Form bekommen haben müssen. Die sagenhaften Berichte betrachten Salomo von zwei ganz verschiedenen Seiten; Von der einen wird er als Verführer des Volks zur Abgötterei geschildert, während er von der andern als Muster der Weisheit erscheint. Die unzweifelhafte, auch durch die trocknen, aber echten Listen über die Frohnen und Frohnvögte bestätigte That­sache, daß sich die nördlichen Stämme (und zwar unter dem Beifall von Pro­pheten) gegen die Last seiner Herrschaft auflehnten und sie sogleich nach seinem Tode wirklich abwarfen, sowie daß die Eroberungen seines Vaters zum Theil noch bei seinen Lebzeiten verloren gingen, sprechen wenig dafür, daß Salomo wirklich ein so weiser Herrscher gewesen, wie ihn die Sage schildert. Aber die Pracht seiner Regierung, das große Verdienst, das er sich durch den Tempel- bau um die Concentrirung des Cultus und dadurch um den religiösen Fort­schritt erworben hatte, umgaben ihn in den Augen der Nachkommen mit einem idealen Glanz, und dazu kam noch, daß der König mancherlei Sprüche der Weisheit im Munde führte.Und er machte dreitausend Sprüche und seiner Lieder Zahl war tausend und fünf; und er redete über die Bäume, von der Ceder auf dem Libanon bis zum Usop, der an der Wand wächst, und er redete über das Vieh und die Vögel und das Gewürm und die Fische" heißt es von ihm 1 Kön. 6, 12 f. Können wir uns auch kein klares Bild von diesen Geisteserzeugnissen des Königs machen, so dürfen wir doch nicht bezweifeln, daß den eben angeführten Worten, wenn sie auch Uebertreibung enthalten mögen, etwas Thatsächliches zu Grunde liegt. So sehn wir denn, daß man schon nach 200 Jahren gern alle Weisheitssprüche dem Salomo beilegte, und daß das Ansehen seiner Weisheit mit der Zeit so sehr wuchs, daß spätere Schriftsteller keine bessere Empfehlung für ihre didaktischen Schriften kannten, als daß sie dieselben dem Salomo unterschoben, und daß man geneigt war, ganz verschiedenartige Weisheitsbücher ohne weiteres als Werke des weisen Königs anzusehen.

Drei dieser Werke sind im hebräischen Bibelkanon, während ein viertes wenigstens unter den Apokryphen eine Stelle gefunden hat. Wir betrachten