Gelehrtenschule und Universität in Amerika.
Aus Amerika über Schule, deutsche Schule, amerikanische Schule und deutsch-amerikanische Schule von Rudolvh Dulon. Leipzig, C. F. Wintersche Verlagshandlung. 1866. 440 S. 8.
„Die amerikanische Volksschule", sagt der Verfasser aus langjähriger Erfahrung, „ist ein großartiger und stattlicher Bau, auf den der Amerikaner mit Recht in stolzem Selbstgefühl blickt." Die Gnade mächtiger Schirmherren ist ihr fremd geblieben, aber Erkenntniß und Wille des Volles haben sie mächtiger gefördert, als solche Gnade je vermocht hätte. Wo sich das Bedürfniß einer Schule zeigt, fließen sofort reichliche Mittel zusammen, und dieselben werden wenn man die herrschende pädagogische Ansicht berücksichtigt, zweckmäßig verwendet.
Die Einrichtung der Schulen ist, im Vergleich mit vielen deutschen Dorfschulen, selbst in abgelegenen Strichen, auf der Prairie und im Hinterwalde, glänzend zu nennen, die Hungerleiderei unsrer Dorfschullehrcr völlig unbekannt. Nicht blos den Kindern amerikanischer Bürger, auch denen der Fremden und - Fremdbleibenden wird der Unterricht sammt allem, was dazu gehört an Büchern, Schreibmaterialien, Landkarten unentgeltlich gewährt. Die Schule Amerikas ^ist frei wie das Sonnenlicht; kein Gouverneur, kein Präsident, kein Priester kann auf sie einen andern Einfluß üben als den. welchen ihr Zweck gestattet. »Aus Religion" untersagten ihr die Gesetzgeber den Religionsunterricht, und durch ihre Gleichgiltigkeit gegen alle Kirchen arbeitet sie mit Macht der Kirche vor. die nicht vom Erdboden vertilgt zu werden verdient. Ein andrer großer Vorzug der amerikanischen Volksschule ist endlich die unausgesetzte Rücksichtnahme, die sie auf die Bedürfnisse des vor der Jugend sich ausbreitenden, sie erwartenden Lebens nimmt. Mit sicherm Tact weiß sie den Fächern des Unterrichts die Stellung zu geben, die ihnen im Interesse des praktischen Lebens gebührt, mit gleichem Tact aus den einzelnen Fächern das hervorzuheben, was für die Praxis die höchste Bedeutung hat.
Und demzufolge sind Elementarkenntnissc unter den eingebornen Amerikanern Grenzboten IV. 186S. 96