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Vermischte Literatur.
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Vermischte Literatur.

Correspondenzen und Actenstücke zur Geschichte der Minister- conferenzen von Karlsbad und Wien in den Jahren 1819, 1820 und 1834. Herausgegeben von Friedrich von Wecch. Leipzig, F. C. W. Vogel. 1865. 296 S. 8.

Diese Mittheilungen, von d. Bl. schon als im Erscheinen begriffen angezeigt, liegen jetzt vollständig vor. Die Quellen des Verfassers waren das geheime Cabinet und die Ministerialarchive zu Karlsruhe, namentlich eine Reihe von Berichten des badischen Ministers v. Berstett, der den ersten wiener Conferenzen im Auftrag seines Großherzogs beiwohnte, sowie die im Privatbesitz befindlichen hinterlassenen Papiere des Ministers v. Reizenstcin, der Baden bei den Konferenzen von 1834 vertrat. Die historischen Uebersichten, mit welchen der Verfasser seine Actenstücke einleitet, verknüpft und erläutert, erhöhen den Werth des Buches wesentlich, indem sie auf »och gründlicherer Bekanntschaft mit dem damaligen Treiben der Höfe, als sie das Mitgetheilte ver­mittelt, beruhen und im Geiste eines warmen und darum beredten Patriotismus geschrieben sind. Von den Actenstücken des ersten Abschnitts sind vorzüglich die Denkschrift des Senators Smidt von Bremen und die russischen Noten und De­peschen am Schluß interessant und lehrreich, jene, weil sie zeigt, wie außerordentlich mäßig die Ansprüche waren, welche im Jahre 1819 ein Mann in Betreff der Re­form in Deutschland stellte, der bei Mctternich als gefährlich galt, diese, weil sie in beschämendster Weise erkennen lassen, welchen Ton sich das großmächtliche Ausland gegen Deutschland herausnehmen darf, so lange wir nicht e i-n Staat sind. Noch wcrthvollcr sind die Auszüge aus den Berichten Berstett« und Rcizcnstcins und die sonstigen Mittheilungen, welche sich auf die beiden wiener Conferenzen beziehen, vor­züglich da« Bild, welches uns der Verfasser von denen im Jahre 1834 giebt. Mit Ausnahme des Schlußprotokolls und einigen Stellen aus den Reden, mit denen Mettcrnich die Verhandlungen dieser Ministerversammlung eröffnete und schloß,' ist bis jetzt über letztere nichts bekannt gewesen, und wenn uns der Verfasser hier aus­führlich dem Entstehen der dort gefaßten Beschlüsse folgen läßt, so haben wir ihm dafür aufrichtig Dank zu sagen, da diese Beschlüsse das öffentliche Leben Deutschlands fast anderthalb Jahrzehnte hindurch beherrscht haben.

Werfen wir mit dem Verfasser einen Blick auf die beiden wiener Ministcrcon- fcrenzen, so tritt uns sofort ein charakteristischer Unterschied zwischen denselben ent­gegen. Zweck der ersten war Ausbau der auf dem wiener Congrcß nothdürftig zusammengestellten Bundesacte. Während die Einen der Bundesversammlung die Stellung einer wirklichen Centralgewalt geben wollen und halb unbewußt auf Bil­dung eines BundcsstaateS hinarbeiten, kämpfen die Andern für möglichste Souve- ränetät und Selbständigkeit der Einzelstaatcn. Dort sehen wir Nassau und Baden, hier Bayern und Würtemberg die Fahne tragen. Die centrifugalc Tendenz siegt, weil hinter ihr die Wünsche der meisten Fürsten und die particularistische Gesinnung des Volkes in den Mittel- und Kleinstaaten stehen, und noch mehr, weil diese Ten-

Grenzboten IV. 1866. 95