Aus Lumleys Theatererinnerungen.
Kemilliseevsss ok ins 0xera, Ken^amin lillwlez^, Iventz? ^esrs virector of Her N^est^s ^Ksatre. I-on6on, Hurst an6 LIaeKstt. 1S64.
In England werden den Theatern bekanntlich keine Subventionen seitens der Regierung bewilligt; das ganze Risiko einer solchen Spekulation wird daher von einem oder mehren Unternehmern getragen. Hieraus erklärt sich die jähe Ebbe und Fluth solcher Institute, wie denn z. B. Her Majestys Theater, welches einst das sashionabie Rendezvous der Aristokratie, die durch liberale Subscription die Kasse im Voraus füllte, heut nur noch hauptsächlich vom reisenden Publikum, das gern auch von der „Oper" in der Metropolis erzählen möchte, besucht, durch die Hände vieler Eigenthümer, durch langjährige Processe. Subh^stationen. Executionen. Jnjunctionen u. dgl. gegangen, im Jahre 1852 gänzlich geschlossen und erst 1856 wieder geöffnet worden ist. Die Oper ist nicht mehr wie in früheren Jahren der Sammelplatz der Noblesse. Logen, wenn nicht von den Eigenthümern besetzt, werden heut nicht mehr Freunden überlassen, sondern jedem Fremden, der sich meldet, vermiethet; und der halb öffentliche, halb private Verkehr, den hier die Aristokratie mit einander Pflegte, hat aufgehört. Die Erklärung dieser Thatsache wird hauptsächlich in der so bedeutend vermehrten Zahl reicher Bewohner Londons, die sich viel mehr als früher in Privatzirkeln zerstreuen, wie auch in den unzähligen Anziehungspunkten zu suchen sein, welche die Tagesstunden bringen. „Aber," sagt der ehemalige Director von Her Majestys Theater, aus dessen Memoiren wir im Folgenden Mittheilungen geben, „unter den verschiedenen Ursachen, die sich für die verringerte Schätzung der Oper in London anführen lassen, steht die obenan, daß es gegenwärtig in Europa keinen Komponisten ersten Ranges giebt. Der Mangel an tüchtigen Sängern macht sich ebenfalls fühlbar. Selbst Opern, wie „die Hugenotten" und „der Prophet" können ohne die Anziehung, die nur Sänger von bedeutendem Talent ausüben, keinen Erfolg haben. Im Verhältniß zu dem abnehmenden Vocaltalent wird das verstärkte Orchester zur Hauptsache, namentlich im Coventgardentheater, wo die Tonmässen, anstatt die Stimme Grmzboten IV. 186S, 86