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Briefe eines Offiziers an seine Fra» aus den Jahren
1807-1813.
2.
Vor zwei Jahren thaten sich einige thüringische Dörfer zusammen, um auf eigene Hand das fünfzigjährige Erinnerungsfest der leipziger Schiacht dadurch zu seiern, daß sie den Peteranen, die als Nachbarn unter ihnen saßen, in Festmahl rüsteten. Als der Festzug sich ordnete, trat einer der Veteranen vor und begann feierlich, er wolle zugleich im Namen einiger Kameraden sprechen. Sie alle hätten die Campagne von 1813 mitgefochten, aber auf der falschen Seite. Das sei nicht ihre Schuld gewesen, und er müsse fragen, ob er mit diesen Kameraden an dem Fest theilnehmen dürfe. — Der wackere Offizier des Nbeindundö, der die folgenden Briefe während der Campagne von 1812 seiner Frau geschrieben hat, lebte im Jahr 1863 nicht mehr, die Frage, ob auch er nn einem deutschen Gedächtnißtage theilhaben dürfe, wurde ihm erspart, und den Andern wurde erspart eine schmerzliche Erinnerung an die Nichtswürdigkeit deutscher Zustände, für welche die Erhebung des Jahres 1813 erste Abhilfe war.
'Aber es ist grade jetzt nicht unnütz, an die Stimmungen zu denken, welche noch vor wenig mehr als fünfzig Jahren in den Rheinbundstaaten lebendig waren. Seit ^er Zeit ist es besser unter uns geworden, die größte Lehre der Geschichte, wer . die Väter erhielten, ist von den Söhnen noch nicht ganz vergessen. Aber es wird in diesem Jahre des Zanks mit Absicht an einen einzelnen ehrlichen- Mann des Jahres 1813 erinnert, der in dem guten mittleren Durchschnitt damaliger Tüchtigkeit stand, nicht darunter, vielleicht nicht sehr darüber, an einen Mann, der in seinem Privatleben warmherzig, wacker, tüchtig feststand wie nur Einer, und dem doch das Höchste fehlte, was den Mann macht — ein Vaterland, ein Staat.
Er hatte sechs Campagnen mitgefochten, als er im Frühjahr 1812 mit seinem Bataillon von Meiningcn aufbrach, den Adlern Napoleons zu folgen. Das combinirte Regiment der sächsischen Herzogtümer wurde während des Sommers mit dazu verwandt, für Napoleon die deutschen Nordküsten zu bewachen. Es wurde von Hamburg allmälig über Meklenburg und Pommern zur Reserve nach Ostpreußen gezogen, es gehörte zu dem letzten Nachschub der großen Armee, die durch die ungeheure Katastrophe in Rußland zertrümmert ward. Ein Zufall bewirkte, daß der Schreiber der folgenden Briefe bei dem