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Molière übersetzt durch Graf Baudissin.
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Molwe übersetzt durch Gras Baudissw.

Moliöre's Lustspiele übersetzt von Wolf Grasen Baudissm. Erster Band. Leipzig, S. Hirzel. 1865.

Das neue Werk, welches in stattlichem Bande vor uns liegt, ist nicht nur als eine vortreffliche Arbeit erfreulich, es hat für uns Deutsche besondere Be­deutung. Zunächst wegen des Uebersetzers selbst. Er gehört zu den Männern, aus welche der jüngere Dichter mit Achtung und Pietät blickt. Sein Name ist eng verbunden mit der schlegel-tieckschen Uebersetzung Shakespeares, er war unter den Ersten, welche die große dramatische Zeit Englands den Deutschen ver­traulich machten. Seitdem lebt er uns, unermüdlich thätig, ein hoch gebildeter klarer Geist, noch in höherem Mannesalter mit inniger Theilnahme jedem ernsteren literarischen und künstlerischen Streben zugewandt, im stattlichen, wohlgefügten Hause, wohlthuend für jeden, der ihm nahe tritt, freundlich verbunden mit einem großen Theil unserer namhaften Talente, ein warmer Patriot, ein treuer deutscher Mann, aus seinem würdigen Haupt ruht der Kranz unverwelkiicher Jugend. Und er ist uns jetzt als Schriftsteller, Gentleman und jPatriot werth­voller Repräsentant einer großen Literaturepoche, in welcher die Nation vor­wiegend literarischen Interessen zugewandt war.

Wir freuen uns also dieses Buches, weil er darin als Uebersetzer und Dramaturg die Technik eines Meisters bewiesen hat. Nicht weniger des­halb, weil diese Uebersetzung eine große Lücke in unserer Literatur ausfüllt. Die Deutschen rühmen sich zuweilen, in Uebersetzungen das Meiste und Beste geleistet zu haben, und doch besitzen wir von dem Dichter/ der auf die heitere dramatische Literatur der Deutschen durch mehr als hundert Jahre herrschenden Einfluß geübt hat, noch keine Übertragung', welche zumal in den versificirten Stücken auch nur mäßigen Anforderungen entspräche. Man wende nicht ein, daß trotzdem Moliöre bei uns sehr bekannt sei und daß ihn jeder gebildete Deutsche im Original lesen könne. Es ist doch wahr, daß er in der Gegen­wart wenig gelesen und von dem jüngern Geschlecht viel zu wenig gekannt ist. Auch ist eine gute Uebersetzung nicht blos für solche geschrieben, denen un­bequem wird, das Original in fremder Sprache zu lesen; denn sie hilft den Grenzboten III. 1865. 16