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Literaturgeschichte.
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mehre Bemerkungen über die Römer und Germanen, bei denen man nicht recht weiß, was sie mit der Geschichte der Musik zu thun haben; bis endlich mit einem Bilde aus der Architektur auf die Musik übergegangen wird.Der christlich-germanische Dom entspricht seiner religiösen Idee: ascetischcm Ver­neinen der Natur, - in individuellster jedoch dem gemeinsamen Grundzug deS Volkes genau entsprechender Verinnerlichung des aus der Transcendenz in die Welt herüberstrahlenden Göttlichen, und damit verbundenem, unendlich sehn­süchtigem sich Emporringen nach dem in den Fesseln der Sinnlichkeit nicht zu erreichenden, überirdisch, persönlich gedachten Göttlichen, durch pbysisch wie geistig benöthigteS Abschließen des Cultus in einen weiten geschlossenen Raum, dessen beliebige Neberdachung erst durch die Ausbildung des Spitzbpgcnbaues >n größter Maßgabe möglich ward, durch größte Jndividualisirung oes De­tails, welches indeß bei aller Willkürlichkeit im einzelnen an mathematische Gesetze gebunden ist, und namentlich dem Principe selbstständiger, sittlicher Unterordnung in den KrvstallisationSformen entspricht, endlich durch das Emporstreben der Bauglieder, welches sich culminirt im himmelanstrebenden Thurmbau." DaS alles sind Dinge, die wir bereits einige Dutzend Male ^'hört und zwar besser gehört haben. Wenn man sie in einer Geschichte der Baukunst wieder aufnimmt, so läßt sich daS noch rechtfertigen, sie aber in einor Geschichte der Musik zu wiederholen, ist ebenso unstatthaft, wie die Anwendung ^'r für eine bestimmte Kunst berechneten Bilder auf ein andres Kuüstgebiet. Tann folgen einige Notizen aus der wirklichen Geschichte der Musik, die aber jenen philosophischen Deduelionen in keine,» Zusammenhange stehen, und dann eine Erklärung der Reformation, von welcher wieder auf die Baukunst "bergegangen wird, weil über diese Kunst die Reflexionen schon fertig vor- ^ge». Nebenbei bemerken wir, daß die Abhandlung auch einen Anstrich von Gelehrsamkeit hat; es sind sehr lange lateinische Eitate darin. WaS Herrn ^aff zufällig von Kuriositäten unter die Hände fällt, wird angebracht ohne daß '»an sich je die Frage erlauben dürste, inwiefern denn daS zur Sache gehörig "Ud namentlich inwiefern die Bieite der Episode zu dem Skizzirten der ganzen Abhandlung paßt? Iu der »eueren Musik gibt die Religion das Motiv der ^wppirung. Bach uud Händel werden als protestantische Gruppe zusammen­gestellt, Gluck, Haydn und Mozart als erste katholische, Beethoven, Weber und Schubert als zweite katholische Gruppe.Endlich gestaltet Richard Wagner mit ^blick auf die Antike.und negativer Belastung der Oper das Musikdrama genuin deutsches und in seiner zeitigen Erscheinung subjectives Kunstwerk." ^ Bei dieser negativen Belastung der Oper mag es sein Bewenden haben. ^ Daß dergleichen in unsrer Zeit geschrieben wird, kann nnS nicht wundern, an die Herren Hoffmann und OScar Schade, die doch wissen, was wis-