Beitrag 
Das französische Heer. 2.
Seite
457
Einzelbild herunterladen
 

457

deutschen Kontingente an Officiercn besitzt. Es ist freilich dabei gerechnet, daß im Kriegsfall ein französisches Cavalericregiment sogleich ans L, ja nothigen Falls auch ans 7 Schwadronen gebracht werden kann. Augenblicklich zählt die qesammte französische Reiterei, die Korps in Algerien mit einbegriffen, 00,2l>-l Soldaten uud ungefähr 48,000 Pferde.

Pariser Salon leben.

In Kurzem soll bei Franz Dunckcr in Berlin ein Werk von Friedrich Szarvady: Paris vou 1848-I8LÄ, erscheinen. Der Verfasser, geborncr Ungar, ein Mann von Geist und Kenntnissen, hat in seiner mehrjährigen politischen nnd litcrarischen Thätig­keit zu Paris die beste Gelegenheit gehabt, das Leben der großen Stadt nnd das Trei­ben der Parteien genau kennen zu lernen. Er erzählt lebhaft nnd mit Lannc, und wenn cr hier uud da für uusren Geschmack zn viel Esprit nnd petulante Eleganz hat, so versteht er dergleichen kleine Schwächen durch Wahrheit und Ehrlichkeit seiner Urtheile doch immer wieder gut zu machen. Der Redaction liegt ein großer Theil der Aus­hängebogen vor, und sie erfüllen eine angenehme Pflicht, wenn sie angelegentlich "uf deu Inhalt desselben anfmerksam macht. Nach dem Inhaltsverzeichnis; enthält es: Paris in Paris. Die Fremden in Paris. Die Pariserinnen. Beredtsamkeit in den Straßen. Der Tempel von Jerusalem (die Börse). Salouö uud Con- "crsationsgeist. Tanz, Gesang uud Blumeu. Der Ball iu der großen Oper. Künstlcrleben. Die Presse. Das Feuilleton. Die Geschichte auf einem Platze. Lamartine, Cavaiguac, Thiers. Louis Buouaparte.

Als eine Probe von dem Talent des Versassers, mit innerer Freiheit zu be­obachten und unterhaltend zu erzählen, theilen wir aus seinen Reflexionen über das Salonlcbcn in Paris Einiges mit:

Was stellt man sich iu Deutschland nicht unter einem Pariser Salon vor? Was glaubt man nicht für Herrlichkeit nnd Pracht zu finden uud, der Räumlichkeit nach, was für große Säle erwartet man nicht? Es ist eine Täuschung. Salon heißt jedes Zimmer, in dem kein Bett steht, und wenn man L"st hat, sich und Andere zn langweilen, so kann man in einem solchen bcttlosen Zimmer auch empfangen, nnd hat einen vollkommenen Salon auch im figürlichen Sinne, Das ist demokratisch genug, uud eiu armer Schlucker kaun es dem reichen Banquier in der Nne Lasttte oder dem Grasen im Fanbourg St. Germain gleich th"n. EZ herrscht vollkommeue Gleichheit in dieser Beziehung, nnd Alles besitzt actives und passives Salonrecht. Für jenes genügt es, einen schwarzen Frack zu besitzen nnd ein Paar Handschuhe, die mau ohne zu große Anstrengung für weiß gelten lassen kann; für letzteres braucht man nur eiu Zimmer ohne Bett zu habeu. Die Abstufungen, die vom kleinen Empfangszimmer irgend eines nnbedentenden Greuzbotcn. IV. 18U-I. !>8