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Henry Taylor, der neueste englische Dramatiker.
Taylor ist gegenwärtig von der englischen Kritik als der erste dramatische Dichter anerkannt; wir können daher an ihm am bequemsten das Wesen des englischen Drama'S verfolgen. Er hat sich zwar anch im Lyrischen versucht, und einzelne Gedichte, z. B. das Sonnctt über das Verschwinden des lustigen England, haben viel Anklang gesunden. Allein in diesen Gedichten ist nichts, was ihn von den übrigen euglischen Lyrikern wesentlich unterscheidet. Zn bemerken ist, daß er die Lyrik, namentlich die altcrthümlicheu Balladen, auf eine ungehörige Weise in seine Tragödien einmischt. .
Die Engländer haben sich von der frühesten,Zeit cm' mehr im scharfen de- taillirten Charakterisieren der Personen, als im Erfinden einer spannenden uud in sich zusammenhängenden Handlung ausgezeichnet. Ihr Produciren ist gewöhnlich von der Art, daß ihnen zuerst ein eigenthümlicher Charakter in seinen verschiedenen Wendungen aufgeht, und daß sie dann die diesem Charakter entsprechenden Situationen dazu erfinden. Für die dramatische Knust ist das nicht günstig, denn es wird dadurch jenes Fragmentarische und Episodische in dem Verlaus des Stücks herbeigeführt, welches zuletzt auch anf die Charaktere übergeht, denn diese verlieren sich so ins Detail, daß man über ihren Grundton nicht ins Klare kommt. Nur eine so gigantische Kraft wie Shakspeare konnte durch die Macht seiner Leidenschaft, die mich eine chaotische Verwickelung von Handlungen nnd ein Gemisch von unklaren Motiven zn überwältigen wußte, diesen Uebclstand beseitigen. Seine Lustspiele fallen daher znm Theil eben so aus einander, wie die seiner Zeitgenossen und Nachfolger. In Stückeil wie z. B. den luftigen Weibern von Windsvr haben wir einen großen Reichthum drolliger Situationen und drolliger Figuren, aber die Handlung kommt uicht vorwärts. Die einzclueu Scenen sind At der größten Willkür durch einander geworfen, und jede derselben hat den Charakter des Episodischen.
In neuester Zeit wird dieser Ucbelstaud noch dadurch vermehrt, daß man steh darau gewohnt hat, überall die Reflexion über die natürliche Empfindung vorherrschen zn lassen. Bis gegen das Ende des vorigen Juhrhunderts hin war Grcnzl'otcn, IV. i8lll, ö(Z