357
ob das rothe Banner noch nicht von den Rauchfängcn ihrer Paläste, der Fabriken, herabwcht. Der Arbeiter vertröstet seine Fran, die von Politik nichts versteht und nicht begreift, was sie und ihre Kinder den Helden des Parlaments, den Thiers, Bcrrycr, oder dem Neffen dcS Kaisers zu Leide gethan haben, auf die Zukunft, wenn die Gegenwart ihr hungerndes Maul aufthut. — — Mau merkt also das Herannahen einer stürmischen Zeit, aber die Belustigungen, die Vergnügungsjagden, der Sinnentaumel scheint in der Aufregung der Zeit neue Kraft und neuen Appetit gewonnen zu habeu. Die Theater sind voll, die Kaffeehäuser strotzen von Mensche», die Boulevards wiederholten vou dem Gcmurmel und Gelächter, Geschrei und Geplauder, das diese Straße Mit der Börse gemein hat, die Buchdrucker haben ihre illustrircndcn Pressen in Bewegung gesetzt, und die Conditorcicn arbeiten bereits an den überzuckerten Complimcnten, welche Paris zu Weihnachten zu verschlucken gewohnt ist. Der billige Luxus und die theure Bcmchdicncrci verlieren nichts durch den politischen Paroxismus, der sich dieser merkwürdigen Stadt bemächtigte, wenn auch die großen ernsten Geschäfte, welche große Betricbssummcn voraussetzen, traurig den Kops senken.
In der ?ol'lo Lt. Martin wurde Guttenberg vom geistreichen Entcnfabrikantcn Msry verarbeitet, während in den Varivtvs Goethes Mignon, jenes gestaltlose, reizende nebelhafte Ideal einer deutschen schwärmerischen Liebe, zur wirklichen Seiltänzerin und glücklichen Nebenbuhlerin der Pariser Actrice Philine wird. Wilhelm Meister zahlt ehrlich Lehrgeld und hcirathct Mignon, die das Zigeunerleben ausgiebt und, die sentimentale Tugend der Grisctte zum Siege bringend, eine prosaische Haushälterin wird, die zuweilen, natürlich ^insittig am Arme ihres Mannes, in einem ländlichen Ball die Künste ihres unglücklichen Handwerks wieder übt. Die Pariser Presse lobt dieses Vaudeville einstimmig, und Nr. ^oel, darf auch nichts dawider haben. Ponsars Pcnclope, welche nach griechischem Mu- ster mit Chören versehen und ganz in antikem Style.gehalten ist, mit einer vielleicht etwas jn breiten Handlung — nach dem zu urtheilen, was mir darüber gesagt wurde — wird "» Odconthcatcr bereits einstudirt; die Musik ist von Gonnod, der auch an einer neuen ^pcr Faust arbeitet; das Libretto ist nach Nerval's Übersetzung von Goethe's Faust gearbeitet. Auf demselben Theater wird anch das neue Stück vom Verfasser der 6oiltss ^llollmgim probirt. Dasselbe heißt die Marionetten, und ist ein wahres Spectakcl- ^uck, in welchem in vier Stockwerken zugleich gespielt wird. Ein phantastisches Zu ebener ^'ve uud erster Stock. Emil Augicr schreibt bereits an den letzten Scenen seiner Komödie für die Nachcl, welche am ersten des künftigen Monats wieder auftreten soll. ^ große Welt öffnet nach und nach ihre Salons, und mit den Soirc-cn im Elyft;e hat ^ Saison offlciell begonnen. Die hohe Aristokratie will dieses Jahr in ihrer gan-
Herrlichkeit auftreten, um für ihren Kandidaten, den General Cbangarnier, zn wer- Die Künstler uud Journalisten solle» mit besonderer Auszeichnung aufgenommen ^dc», um ihnen zu beweisen, daß die Restauration der Legitimität anch eine Renais- swcczeit für Künste und Wissenschaften werden dürfte. Wen» ma» das Treibe» uud
kostspielige» Bemühungen dieser Leute mit ansieht, wird man fast versucht zu dcnkcu, ^ glauben wirklich an eine Zukunft. Was glaubt man am Ende nicht?
B ii ch ersch a n.
Das Wesen der Malerei, begründet und erläutert durch die iu den Knnstwerkcn der bedeutendsten Meister enthaltenen Principien. Ein Leitfaden für denkende