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Frau von S t a ö l.
Die strebsamen Geister, von welchen die Wiedergeburt der französischen Literatur im Anfang dieses Jahrhunderts ausging, standen fast ohne Ausnahme in mittelbarem oder unmittelbarem Gegensatz zn Napoleon. Chateaubriand, Victor Hugo. Lamartiue u. s. w. haben in ihren politischeu Ueberzeugungen Mannichfache Metamorphosen durchgemacht; allein die Abneigung gegen das Regiment des Kaisers ist ungcschwächt geblieben. Für die spätere Generation hat die Verbannung zu St. Helena dem Bild des grandiosen Despoten ein ganz anderes Ansehen gegeben. Gefärbt 'durch die Stimmung des Mitgefühls für eine gefallene Größe, hat die Geschichte dieses außerordentlichen Mannes eine Belenchtnng ^Wonnen, die sie für die Zeitgenossen nicht haben konnte. Man hat die abenteuerlichen Züge durch die gestimmte Welt, von den Pyramiden bis zu den Schncc- felderu Moskau'S, iu eiu Gemälde vereinigt, nnd aus dem Heldeu dieser Abenteuer ist eiuc mythische Person geworden, die einen impouireuden Eindruck macht, weil man den unmittelbaren Einwirkuugeu derselben uud daher den Gefühlen
Hasses nnd der Furcht eutzogen ist. Zudem man das Gcsammtbild seines Gebens zusammendrängt, verliert sich die Mesgninerie seiner Details, nnd man gewöhnt sich an eine Perspcctive, von der mau sich nnr mit einiger Anstrengung "«Machen kann.
Das Reich Napoleons war der Abschluß jener herrscheudeu Richtung, die Trankreich seit Jahrhunderten in der Politik uud iu der Literatur verfolgt hatte; ^r reinste Ausdruck jenes gleichmachenden Despotismus, nach dem das sranzö- M)e Volk eben so gestrebt hatte, wie seine Könige, nnd jenes sonveraincu Nüjz- l'chkeitssystems, das alle tieferen Jdceu des Rechts, des Glaubens, der Schönheit ^ ein geistloses Netz praktischer Beziehungen verstrickte. Die Mathematik war die wesentliche Grundlage der Philosophie des 1«. Jahrhnuderts gewesen, Napoleon
beiden die Richtung ans den praktischen Zweck, und beugte eben so die Knust ""ter das eiserne Joch eines einseitigen Gedankens. Seine Staatsverwaltung ^rd uus durch die neueren Historiker als das Muster eines verständigen Mechanismus dargestellt. Sie war aber anch nichts als dieses, uud weuu er durch >"ne Verbindung mit der Kirche, durch seine Wiederherstellnng des Adels den ^en historischen Mächten Zugeständnisse zn machen schien, so war das eigentlich '">r eine weitere Entheiliguug derselben, denn sie wurdeu unter die unbedingte ^chtschast eines ihnen fremden Systems niedergedrückt.
Jedes Gemüth daher, iu welchem der Funke der Freiheit loderte, '"Me sich a,egeu diese Herrschast empören, nnd eS ist leicht erklärlich, daß . Grcnzbolcn, IV. ->W->.