Beitrag 
Eine Fahrt nach Kopenhagen.
Seite
255
Einzelbild herunterladen
 

255

Eine Fahrt nach Kopenhagen.

Ein nothwendiges, nicht gerade angenehmes Geschäft führte mich in diesem Herbst auf einige Tage nach Kopenhagen. Viel Vergnügen ist für einen Deutschen jetzt in der dänischen Köuigsstadt nicht zu holen. Die Kanonen schweigen zwar wieder, und das kleine Dänemark freut sich stolz seines glänzenden Triumphes über das große Deutschland, aber die gegenseitige alte Erbitterung ist darum noch nicht verloschen, und wie ich vor vielen Jahren in unsern norddeutschen Hasenstädten den alten Spöttreüu hörte:

Piep, Dänn, piep Bald büst Du ricp (reich), Vör den Wismar häst du lange lägen Bör den Gadebusch hast du Schläge kragen", so singen die Juugeu zu Kopenhagen jetzt einen dänischen Gassenhauer, dessen erster Vers in zierlicher deutscher Uebcrsctzung lautet:

Herr Wrangel hatt' ein großes Maul

Uud war im Schwatzen gar nicht faul,

Die Dänen wollt' er schlucken herunter,

Und ließ marschiren drauf ganz munter;

Doch wie die Sach' zum Ernste ward,

Da rauft er sich gar sehr den Bart,

Und lies ganz rasch ans Jütland raus." Worauf der ReimLaus" folgt uud mehrcreS Andere, das für höhere Per­sonen noch weniger schmeichelhaft wäre.

Das dänische KriegsdampfschiffStiruer", welches den Postdienst zwischen Kopenhagen nnd Stettin zugleich mit seinem GefährtenEidcren" versieht, nahm "u'ch in dem freundlichen Hasenstädtchen Swinenmude au Bord. Es war für mich ein "genthümlicheS Gefühl, als friedlicher Passagier die Planken eines Schiffes zu be­sten, das in den letzten Jahren häufig seine Kanonen auch gcgeu mich gerichtet, und dem ich so oft uud eifrig den Untergang gewünscht hatte. Ein hübsches, nicht großes, aber sonst tüchtig gebautes Schiff ist dieser Stiruer, der iu den letzten wahren an der Ostseeküste den deutschen Kriegern vielfache Belästigungen zugefügt W. Freilich hat er dafür auch einige tüchtige Kngcln von uusrcu Batterien be­kommen. Die Bemannung desselben besteht aus Ofsteiercu uud Matrosen der dänischen Kriegsmarine. Selbst der Neid wird es den Dänen lassen, daß sie tüchtige Seeleute swd, und sich mit Gewandtheit und Geschicklichkeit aus den grünen Wogen herum- Munuueln wissen. Auch die Bemannung des Stirner bestand ans festen, derben Burschen, mit wettcrgebräunten Gesichtern, denen man das Seemännische von echtem Schrot ansah. Sehr vortheiihafl stachen seine Matrosen ab von den schwachen, elend genährten, nngcschickten, armen Teufeln, die zu Hnuderteu die Besatzung der schönen russischen Dampfcorvette 'GrosiatSky" bildeten, welche