Clemens Brentano
Brentano ist als Charakterbild seiner Zeit interessant genug, nm die Gesammt- "usgMe seiner bisher nnr verstreut erschienenen Schriften zn rechtfertigen. Wir werden uns mit unsrer Kritik au das Erscheinen derselben halte», nud beschränken '"'s daher hier ans die beiden Bände, welche bereits herausgegeben sind, den ^sten und vierten.
Den allgemeinen Charakter der Poesie Brentano's hat Heine in seiner ''^mantischen Schule" treffend bezeichnet; er vergleicht ihu mit jener chiuesischeu ^ü'zessin, die von so tvlleu Capricen geleitet wurde, daß sie endlich der freien Verfügung über ihr Vermögen, verlustig erklärt werden mußte. Allerdings giebt ^) in den Schopfnugen Brentano'S eine solche Uebermacht der Caprice kund, er selbst unter den deutschen Dichtern, was viel sagen will, nicht seines wichen findet, uud daß man zuweilen in Verlegenheit ist, anch nur im entfern- zu erratheu, aus was für eine Stimmnug oder Remiuisceuz seine barocken Zufälle sich beziehen. Er selber charakterisirt in einem Briefe ans dem Jahre , ^, den der Herausgeber mittheilt, diese Lanueuhastigkeit seines Schaffens auf ^>>e vortreffliche Weise. Er erklärt, mit seiner Poesie darum im Ganzen zurück- Me»d gewesen zu sein, „weil Alles, was er dichte» mochte, zu sehr die heiligere Schichte seiues Jnucrn gewesen wäre, als daß er es ohne Frechheit iu das Untheilnchmende Tagewerk der Welt hätte einfügen dürfen." — Bei dieser ^'genstanblvseu Beschäftigung mit seinem Innern, die fnr den Dichter überhaupt '^«-'nklich ist, fehlt ihm noch etwas, was sonst der Subjectivität wenigstens eini- ^ HM zu g^eu pflegt: der Glanbe an sich selbst. „Mein Selbstgefühl", sagt ^ i» dieser Beziehung, „glich der abgelösten Farbendccke eines im Wasser ver- "Ukeuen Pastellgemäldes, welche »och kurze Zeit oben schwimmt. Ich hätte es 'Gleicht behutsam wiederauffasseu können, aber ich sah lieber so lange lächelnd ^cin, bis heftig stürzende Thränen es verwirrten, und der widerliche Gebaute, "6 durch das Auffassen solcher schwimmende» Farben marinorirtes Papier gemacht ^o, machte, daß ich dem geliebten Bilde »och einen ernsten Scheideblick schenkte, ""d, mich dann muthig den Wellen übergebend, es aü meiner Brust scheitern ließ.
^rcnzbvtc», IV. -!8->I> Zg