193
Heldensagen von Firdusi.
Zum ersten Male metrisch aus dem Persischen übersetzt, mit einer Abhandlung über das Iranische Epos von A. F. von Schack. Berlin 18!)1. 8. Wilhelm Hertz.
Goethe, Rückert, Daumer haben wir es zu danken, das, der Sinn sür die Poesie des Orients bei uns erwacht, die Bckänutschast mit derselben auch in weitere Kreise gedrungen ist. Dazu hilft alle Gelehrsamkeit nichts: die sorgsamsten und feinsten Untersuchungen werden von der geringen Zahl Thcilnchmendcr mit Freuden begrüßt werde», das eigentliche Publicum läßt sie bei Seite liegen — das will genießen und hat das Recht, es zu wollen, weil es aus der Literatur keine Profession macht. Man kann es dem Publicum uicht verdenken, wenn es Hirsch Hyacinthos die ehrlichen Leute "bcrläßt, und sich an die interessanten hält: „wer ein langweiliger Mann ist, von dem kaufe ich nichts, von dem lese ich nichts, kurz mit dem mache ich keine Geschäfte." So hat es denn auch keine Geschäfte mit einem vor nunmehr dreißig Jahren erschienenen Bnche in zwei ziemlich starken Bänden gemacht, das sich das Heldcnbuch von Iran, aus dem Schah Nahmch des Firdusi von I. Görres nannte. Das bot einen überreichen Sageustvff, willkommenes Material für Mythologcn, Historiker, auch wol für einen Dichter, der die Schatzgräbern verstand — aber lesen? rein zu seinem Privatvergnügen zwei Bände Excerpte lesen? und wozu? um cincu summarischen Ucbcr- blick über den Inhalt des Iranischen Epos zu gewinnen? das lohnte der Mühe! Gott bewahre! Trockene, dürre Prosa und darin ein Schwüren uud Summen vom Dschem- schid und Minutschehr, von Sijawusch und Schidusch, von Lcchak uud Etwas, von Kc- Ulchan und Feruchcl, von Gudcrs, Gurgic, Guschtasp, Gurasc, Gulad, Milad, Kobad, Pulad, Kurrad: wenn man sich so etwas muß bieten lassen, will man doch auch etwas b»sür haben — ganz abgesehen noch von dem grauen Löschpapier, auf dem sich uns die wenig genießbare Gabe bietet, blcieruc Früchte in irdenen Schalen.
Bleierne Früchte? Herr von Schack muß den Stein der Weisen crsnnden haben;
der krystallhellcn Schale des wcißcsten, glänzendsten Papiers, eines in jeder Beziehung tadellos ausgestatteten, handlichen Bnches bietet er dieselben Früchte dar — und li°he! sie sind eitel Gold. Wodurch ist denn aber diese stauncnswerthe Umwandlung bewirkt worden? warum muß und sott dasselbe Publicum hier nach denselben Dingen weisen, begierig greise», die es dort nicht mit Unrecht von sich fern hielt? warum soll ^ sich daran gewöhnen, bei den Namen Bischen und Mcuische nicht etwa a» die Ac- tenrs ciner Komödie von Vierfüßlern, sondern an ein Paar treu uud zärtlich Liebende öu denken, deren Geschick es mit Antheil, mit Rührung verfolgt? warum sich bcküm- um all jene curioscn Namen, bis sie ihm nicht mehr fremdartig erscheinen, bis es
ihnen die mächtigen Repräsentanten einer großartigen Hcldcnzeit erblickt, deren Schickte und Thaten es nicht minder fesseln, als die des Achill und des Hcktor, und des göttlichen Dulders Odysscus? Weil ihm hier das echte, reine Gold der Poesie geboten wird.
Nicht mühsam braucht es jetzt aus dem Wüste den gediegenen Kern edlen Metalls herauszuschälen, blank nnd nctt leuchtet er ihm in die Augen, in funkelndem, strahlcn- be>» Glänze entfernt ist die »mhülle»de Schlacke, es wird keine Arbeit erfordert,
Grcnzl'ote». IV. >>»ö-I. 9-'> '